Was ein Studium bei der Bundeswehr bedeutet

20.07.2021
Ein Studium bei der Bundeswehr ist in den meisten Fällen in die Laufbahn als Offizier eingebettet. Gleichzeitig verpflichten sich Studierende für viele Jahre. Für wen kann das eine Option sein?
Soldatinnen und Soldaten im Hörsaal: Ein Studium bei der Bundeswehr ist in der Regel in die Laufbahn zum Offizier eingebettet. Foto: Jonas Weber/Bundeswehr/dpa-tmn
Soldatinnen und Soldaten im Hörsaal: Ein Studium bei der Bundeswehr ist in der Regel in die Laufbahn zum Offizier eingebettet. Foto: Jonas Weber/Bundeswehr/dpa-tmn

Berlin/München (dpa/tmn) - Leben und Wohnen auf dem Campus, ein Gehalt statt Studienkosten, kein Numerus clausus, Studieren in kleinen Gruppen: Mit diesen Vorteilen bewirbt die Bundeswehr das Studium an ihren Universitäten in Hamburg oder München. Die Entscheidung für ein Offiziersstudium in der deutschen Armee will aber wohl überlegt sein. Was es zu bedenken gilt:

Wie bekommt man einen Studienplatz bei der Bundeswehr?

Dafür gibt es zwei Wege, sagt Michael Brauns, Pressesprecher der Universität der Bundeswehr in München. «Zu 80 Prozent ist das die Offizierslaufbahn.» Das heißt, das Studium ist eingebettet in die Ausbildung zum Offizier oder zur Offizierin.

Der kleinere Anteil gehe über Kooperationen mit dem Öffentlichen Dienst und der Wirtschaft, so Brauns. Hier geht es üblicherweise um eine zivile Karriere in der Verwaltung der Bundeswehr.

Wer Offizier oder Offizierin werden will, bewirbt sich zunächst auf den Rang statt auf ein Studienfach. Interessierte können sich beraten lassen und müssen dann ein mehrtägiges Auswahlverfahren in Köln bestehen. Darin wird zum Beispiel die psychologische Eignung, Führungsstärke und Kompetenz für ein Studium festgestellt.

In diesem sogenannten Assessment-Center geht es auch um die Wahl des Studienfachs. Bewerberinnen und Bewerber können Wünsche angeben. Wer nicht in seinem Wunschfach studieren kann, bekommt Alternativen vorgeschlagen. Folgt die Zusage, ist man Offizieranwärter oder -anwärterin. Vor dem Studium beginnt allerdings erst einmal die militärische Grundausbildung, die bis zu 15 Monate dauert.

Welche Studienfächer bietet die Bundeswehr an?

Nach eigenen Angaben bietet die Bundeswehr über 50 Studiengänge an. Einen Überblick gibt es in der Broschüre zur Offizierslaufbahn. Die meisten Studiengänge absolvieren die Offiziersanwärterinnen- und anwärter an den Bundeswehruniversitäten in Hamburg und München. Von Psychologie über Demokratieforschung bis hin zu Cyber-Sicherheit oder Luft- und Raumfahrttechnik: In Hamburg liegt der Schwerpunkt den Informationen zufolge eher auf geisteswissenschaftlichen, in München auf technischen Fächern.

Nicht alle Studienfächer werden an den Universitäten der Bundeswehr angeboten. Für Medizin, Zahn- oder Veterinärmedizin, Pharmazie, Biologie, Chemie, Physik, Nautik, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft oder internationales Logistikmanagement besuchen die Soldatinnen und Soldaten öffentliche Hochschulen.

Für wen eignet sich ein Studium bei der Bundeswehr?

Grundsätzlich müssen Interessenten die jeweiligen Anforderungen für das Wunschfach erfüllen. «Wenn jemand Raum- und Luftfahrttechnik studieren möchte, dann sind Mathematik und Physik als Leistungskurse oder andere nachgewiesene Kenntnisse in diesen Fächern eine zwingende Voraussetzung», illustriert Brauns.

Außerdem müssen Bewerberinnen und Bewerber mindestens 17 Jahre alt und deutsche Staatsbürger sein sowie die Fach- oder Allgemeine Hochschulreife vorweisen können. Wer über ein Studium bei der Bundeswehr nachdenkt, muss zudem bereit sein, sich bundesweit versetzen zu lassen und als Soldatin oder Soldat an Auslandeinsätzen teilzunehmen.

Welche Verpflichtungen gehen Studierende ein?

Zu bedenken sind hier mitunter spätere Auslandseinsätze. Mit einem Studium bei der Bundeswehr verpflichten sich Absolventen außerdem zum Dienst. Diese Verpflichtungszeit liegt laut Brauns bei 13 Jahren für die Offizierslaufbahn im Truppendienst. Ausgenommen sind die medizinischen Fächer mit einer Verpflichtungszeit von 17 Jahren.

Das Studium sei intensiv, sagt Brauns. «Sie studieren relativ schnell, sodass Sie innerhalb von vier Jahren den Bachelor und Master absolvieren. Sich ein ruhiges Semester gönnen, kann man hier nicht machen. Dann verliert man den Anschluss.»

Weil sich Studierende bei der Bundeswehr für einen langen Zeitraum an eine große Organisation binden, empfiehlt Petra Ruthven-Murray von der Studienberatung Plan Z zunächst den Wehrdienst auszuprobieren. Nach Informationen der Bundeswehr kann man auch in Praktika Einblicke in verschiedene Tätigkeiten gewinnen.

Wie anerkannt sind die Studienabschlüsse?

«Alle Studiengänge an den Universitäten der Bundeswehr sind anerkannt wie jeder andere Abschluss an einer Landesuniversität auch», sagt Brauns. Ebenso wenig gebe es inhaltliche Unterschiede.

Darüber hinaus würden die ehemaligen Offiziere und Offizierinnen nach den abgeleisteten Jahren in der freien Wirtschaft gesucht. Die Chancen, eine passende Führungsposition zu finden, seien gut.

Service:

Die Karrierberatung der Bundeswehr unterstützt Interessierte bei Fragen rund um Ausbildungen und Studium. Ein Karriereberatungsbüro in der Nähe findet sich unter www.bundeswehrkarriere.de oder unter der Service-Nummer 0800-9800880 (bundesweit kostenfrei).

© dpa-infocom, dpa:210719-99-439993/2

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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