Was Arbeitnehmer bei der Altersteilzeit beachten sollten

27.04.2020
Altersteilzeit kann für ältere Arbeitnehmer eine Option sein, schrittweise aus dem Job auszusteigen. Allerdings muss der Arbeitgeber mitspielen. Und eines sollten Interessierte auf jeden Fall prüfen.
Wer sich für Altersteilzeit entscheidet, reduziert seine Arbeitszeit um die Hälfte und steigt so nach und nach aus seinem Job aus. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Wer sich für Altersteilzeit entscheidet, reduziert seine Arbeitszeit um die Hälfte und steigt so nach und nach aus seinem Job aus. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Gütersloh/Berlin (dpa/tmn) - Es ist der Traum von vielen älteren Arbeitnehmern: Weniger arbeiten und mehr freie Zeit haben - für die Familie etwa oder für Hobbys. Ein Weg hin zu diesem Ziel kann Altersteilzeit sein.

Hierbei reduzieren Beschäftigte die Arbeitszeit um die Hälfte und steigen so nach und nach aus dem Job aus. Das klingt zunächst verlockend. Doch Altersteilzeit ist nicht für jeden eine vernünftige Option, betont Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh. Interessierte sollten ausloten, ob sie sich das finanziell leisten können.

Das Gehalt schrumpft

Denn klar muss sein: Während der Altersteilzeit verdient der Beschäftigte weniger. Zwar stockt der Arbeitgeber das Entgelt auf. Gleiches gilt für die Beiträge zur Rentenversicherung. Allerdings in beiden Fällen nicht auf 100 Prozent. Neben einem geringeren Verdienst gibt es also später auch weniger Rente. Die Rentenversicherung oder ein Rentenberater können helfen zu errechnen, ob die Altersteilzeit für einen infrage kommt.

Ist dies der Fall, müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein. «Zum einen muss der Beschäftigte mindestens 55 Jahre alt sein», sagt die Rechtsanwältin Judith Kerschbaumer von Gewerkschaft Verdi. Vor Beginn einer möglichen Altersteilzeit muss er mindestens etwa drei Jahre versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.

Kein Anspruch auf Altersteilzeit

Zum anderen: Der Arbeitgeber muss mitspielen. «Einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit haben Beschäftigte nicht», stellt Schipp klar. Ansprüche können aber in Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträgen festgelegt sein. Wenn solche Regeln nicht existieren, kann der Arbeitgeber auf freiwilliger Basis grünes Licht für einen früheren Ausstieg des Beschäftigten geben.

Willigt der Arbeitgeber ein, setzt sich das Entgelt in der Altersteilzeit aus dem bisherigen hälftigen sozialversicherungspflichtigen Entgelt und dem Aufstockungsbetrag zusammen. Der Aufstockungsbeitrag muss laut Gesetz bei mindestens 20 Prozent des Entgelts in der Altersteilzeit liegen.

«Der Beschäftigte kann auch eine Aufstockung des Arbeitgebers über 20 Prozent hinaus aushandeln», so Schipp. Er weiß von Fällen, bei denen Arbeitnehmer in Altersteilzeit auf bis zu 90 Prozent ihrer ursprünglichen Bezüge kamen. Der Arbeitgeber zahlt für den Beschäftigten weiter in die Rentenkasse ein - in der Regel in Höhe von 80 Prozent des Regelarbeitsentgelts.

Zwei Modelle der Altersteilzeit

Altersteilzeit gibt es in zwei Varianten. Bei einer gleichmäßigen Reduzierung halbiert der Beschäftigten über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit seine Arbeitszeit. «Weitaus beliebter ist das sogenannte Blockmodell», sagt Kerschbaumer. Dabei arbeitet der Beschäftigte in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie vor der Altersteilzeit und ist in der zweiten Hälfte von der Arbeit freigestellt.

Das Entgelt, das der Beschäftigte verdient hat, zahlt der Arbeitgeber zu 50 Prozent in der Arbeits- und zu 50 Prozent in der Freistellungsphase aus. «In beiden Phasen kommen jeweils die Aufstockungsbeträge des Arbeitgebers hinzu», erläutert Kerschbaumer.

Modell auch für Arbeitnehmer in Teilzeit geeignet

Das Altersteilzeitmodell kann auch eine Option für Arbeitnehmer sein, die bereits in ihrem regulären Berufsleben in Teilzeit arbeiten. Voraussetzung: Der Teilzeitverdienst während der Altersteilzeit muss höher sein als 450 Euro im Monat.

Wie die reduzierte Arbeitszeit verteilt wird, entscheiden Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam. «Denkbar ist etwa, an vier Tagen vier und am fünften Tag drei Stunden zu arbeiten», erklärt Schipp. Eine andere Variante: Drei Tage arbeiten, zwei Tage frei.

Deutsche Rentenversicherung zur Altersteilzeit

Altersteilzeitgesetz

Verdi zur Aufstockung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Weiterbildungen sind wichtig - darin sind sich fast alle Experten einig. In den meisten Bundesländern haben Arbeitnehmer deshalb auch ein Recht darauf, sich für Kurse oder Seminare freistellen zu lassen. Foto: zerocreatives Welche Rechte haben Arbeitnehmer bei Weiterbildungen haben Wer eine neue Aufgabe übernimmt, bekommt die nötige Qualifikation dafür hoffentlich vom Arbeitgeber. Doch wie sieht es mit Fort- oder Weiterbildungen aus, die nicht direkt mit dem Job zu tun haben? Muss der Arbeitgeber dafür Zeit und Geld zur Verfügung stellen?
Wer in Rente geht, hat plötzlich viel freie Zeit. Damit die Tage nicht zu eintönig werden, suchen sich Ruheständler am besten ein Hobby oder ein Ehrenamt. Foto: Felix Kästle Nicht von Hundert auf Null: Ruhestand gut vorbereiten Viele ältere Arbeitnehmer freuen sich schon auf den Ruhestand. Doch nicht jeder kommt tatsächlich gut damit zurecht, von heute auf morgen keinen Arbeitsalltag mehr zu haben. Der bessere Weg ist oft, sich aus dem Job «herauszuschleichen».
Viele Supermärkte haben ihre Teams in den Filialen und Lagern aufgestockt. Foto: Christian Charisius/dpa Diese Branchen suchen Mitarbeiter Schuhe kaufen, Konzerte besuchen, Autos am Fließband zusammenbauen - das geht alles nicht mehr. Nudeln kaufen, zum Arzt gehen, Spargel stechen - das muss alles unbedingt weitergehen. Nur wer macht's?
Wenn zwei Mitarbeiter sich eine Führungsposition teilen, steigt oft die Motivation. Außerdem bringen sie verschiedene Fähigkeiten mit. Foto: Alexander Heinl/dpa Jobsharing: In der Theorie hip, in der Praxis kaum genutzt Zwei Mitarbeiter, die gemeinsam eine Stelle so ausfüllen, als wären sie verschmolzen: Das ist das Prinzip von Jobsharing. Arbeitnehmer reduzieren so ihre Stunden, Arbeitgeber nutzen die Talente von zwei Fachkräften. Dennoch gibt es das Modell nur selten.