Stiche gegen Beschwerden: Akupunktur fördert Lebensenergie

16.03.2016
Schmerzen, Allergien, Verspannungen, Schlafstörungen: Akupunktur kann bei vielen Krankheitsbildern helfen. Die Nadeln sollen das Qi wieder zum Fließen bringen.
Die Akupunktur hat eine uralte Tradition. Etwa seit den 1970er Jahren kommt sie auch in den westlichen Ländern zum Einsatz. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Die Akupunktur hat eine uralte Tradition. Etwa seit den 1970er Jahren kommt sie auch in den westlichen Ländern zum Einsatz. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin (dpa/tmn) - Im Idealfall ist nach der Chinesischen Medizin alles im Fluss - und der Mensch gesund und fit. Die Lebensenergie, das Qi, fließt ungehindert über die weit verästelten Energieleitbahnen, die sogenannten Meridiane, durch den Körper.

Bei Beschwerden ist nach den Vorstellungen der Chinesischen Medizin an bestimmten Stellen das Qi blockiert. Um diesen Energiestau aufzulösen, setzen Ärzte oder Heilpraktiker feine Einmalnadeln an bestimmte Punkte des Körpers, wo sie etwa 20 bis 30 Minuten bleiben: So sieht eine klassische Akupunktur-Sitzung aus. Das wirkt nicht bei jedem gleich - richtet aber auch keinen großen Schaden an.

«Über die Nadeltherapie werden die körpereigenen Heilkräfte aktiviert», sagt die Berliner Ärztin Johanna Stör. Das soll den Menschen wieder in sein natürliches Gleichgewicht bringen und zur Genesung führen. «Wie viele Nadeln an einem Patienten platziert werden, ist von Fall zu Fall verschieden.» Im Schnitt kommen nach ihren Angaben 15 Nadeln zum Einsatz.

Eine Behandlung ist sehr individuell. «Der Behandler muss sich dafür Zeit nehmen, um sich ein zutreffendes Bild vom Zustand des Patienten machen zu können», betont Stör. In vielen Fällen reicht Akupunktur als alleinige Behandlungsform nicht aus. Und man muss bedenken, dass die Nadeln nicht bei jedem gleich wirken. Oft sind mehrere Sitzungen nötig, bis eine Wirkung zu spüren ist. Keinesfalls sollte Akupunktur bei unklaren Befunden angewandt werden. Auch bei starken Gerinnungsstörungen oder schweren psychiatrischen Erkrankungen ist die Nadeltherapie nicht empfehlenswert.

Aber: «Die heilende Wirkung der Nadeltherapie ist für eine Reihe von Erkrankungen wissenschaftlich erwiesen», erklärt die Ärztin Gabriela Huemer von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA). Sie verweist auf die in Deutschland durchgeführten Gerac-Studien («German acupuncture trials»). Dabei handelt es sich um große wissenschaftliche Akupunkturstudien, die von mehreren Krankenkassen in Auftrag gegeben worden waren. Die Ergebnisse: Die Erfolgsrate der klassischen Akupunktur etwa bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen ist nur geringfügig höher als bei der sogenannten Schein-Akupunktur, bei der an benachbarten Punkten Nadeln gesetzt wurden, steht aber auch der Behandlung mit Medikamenten in nichts nach. Was genau sich im Körper bei der Akupunktur abspielt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.

Die Akupunktur hat eine uralte Tradition. «Das erste schriftliche Werk zum Thema chinesische Medizin und Akupunktur stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus», sagt die Münchner Heilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig. Sie ist Vizepräsidentin des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker. Seitdem wurde die Akupunktur weiterentwickelt. Etwa seit den 1970er Jahren kommt sie auch in den westlichen Ländern zum Einsatz.

«Ernste Nebenwirkungen kommen bei richtig ausgebildeten Behandlern nicht vor», erklärt Stör. Es kann zu leichten Blutergüssen kommen. Eine Behandlung kostet je nach Aufwand etwa 30 bis 70 Euro pro Sitzung. «Bei Migräne sowie chronischen Knie- oder Rückenschmerzen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für 10 bis 15 Behandlungen pro Jahr», sagt Huemer. Diejenigen, die Akupunktur anbieten, sollten 350 Stunden Theorie- und Praxiskurse absolviert haben. Patienten sollten fragen, ob der Behandler diesen Ausbildungsumfang hat, rät Stör.

Adressen von erfahrenen Fachleuten sind im Internet auf der Seite der DÄGfA oder auf der vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker zu finden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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