Sicherheitsleute sorgen für den Rundum-Schutz

28.10.2019
In ihrem Beruf geht es um die Abwehr und Prävention potenzieller Gefahren - ob auf dem Werksgelände oder in Konzerthallen. Fachkräfte für Schutz und Sicherheit haben einen verantwortungsvollen Job.
Leon Ungrad macht eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Zum Revierwachdienst gehört zum Beispiel der Kontrollgang, bei dem der Azubi die Schließdienste eines Eingangs prüft. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn
Leon Ungrad macht eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Zum Revierwachdienst gehört zum Beispiel der Kontrollgang, bei dem der Azubi die Schließdienste eines Eingangs prüft. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Dortmund/Essen (dpa/tmn) - Sie sitzen in Alarmzentralen vor Monitoren, sichern Tatorte oder prüfen Notausgänge und Fluchtwege auf Veranstaltungen. Sie schirmen Prominente vor Paparazzi ab, bringen Politiker heil durch den Tag oder begleiten Werttransporte auf der Fahrt von A nach B.

Von Joballtag kann man bei Fachkräften für Schutz und Sicherheit kaum sprechen.

Für Leon Ungrad hat jeder Tag etwas Neues zu bieten. Er absolviert beim Sicherheitsdienstleister Kötter Security am Standort Dortmund seine dreijährige Ausbildung. «Ich habe kein festgelegtes Schema für den Alltag, das sich an bestimmte Uhrzeiten anpasst», erzählt er. Je nachdem, wo er gerade eingesetzt ist - am Objekt oder in der Niederlassung, lernt er neue Kollegen kennen und macht sich mit seinem Tätigkeitsfeld vertraut.

Wer etwa im Objekt- und Anlagenschutz tätig ist, kümmert sich darum, dass nur berechtigte Personen Zutritt zu einem Firmengelände bekommen. Die Fachkräfte sehen bei Kontrollgängen nach dem Rechten oder prüfen, ob Arbeits- oder Brandschutzvorschriften eingehalten werden. Sie sind auch für die Sicherheitstechnik verantwortlich. Dazu kontrollieren sie Überwachungskameras oder Alarmsysteme und haben die Vorgänge auf dem zu bewachenden Gelände stets im Blick.

Auch der Brandschutz spielt eine Rolle

Leon Ungrad durchläuft in seiner Ausbildung verschiedene Stationen. Neben dem Werkschutz lernt der Azubi etwa auch wie die Revierplanung abläuft. Welche Kontrollen werden wie häufig durchgeführt? Welche Meldesysteme müssen gecheckt werden? Wie läuft die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und anderen Hilfskräften? «Vor Kurzem habe ich meinen Brandschutzhelfer-Lehrgang gemacht», erzählt Ungrad. Denn auch bei Bränden müssen die Sicherheitskräfte zur Stelle sein.

In der Notruf- und Service-Leistelle nehmen Mitarbeiter Meldungen oder Auffälligkeiten entgegen, die zu schützende Gebäude und Objekte betreffen. Solche Stellen müssen rund um die Uhr besetzt sein - das heißt, auf Mitarbeiter in der Sicherheitsbranche kommen auch Nacht- und Wochenendarbeit zu.

Fachkräfte für Schutz und Sicherheit sind mitunter auch im Bereich Werttransport im Einsatz. Sie kümmern sich dann zum Beispiel um den sicheren Transport von Geldern aus Supermärkten, Kauf- und Warenhäusern oder Geldinstituten in speziell gepanzerten Fahrzeugen, wie der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft erklärt.

Azubis müssen mindestens 18 Jahre alt sein

Wer sich für die Ausbildung interessiert, muss in der Regel mindestens 18 Jahre alt sein. Das Unternehmen Kötter achtet zudem darauf, dass Bewerber Eigeninitiative und einen Führerschein mitbringen. Wer in der Sicherheitsbranche arbeitet, muss zudem ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. «Auch Selbstständigkeit und team- und kundenorientiertes Arbeiten sind für die Ausbildung gewünschte Eigenschaften», sagt Kathrin Kerkmann, Ausbildungskoordinatorin der Kötter Unternehmensgruppe.

Weitere Bedingungen seien ein ausgeprägter Servicegedanke, gute Umgangsformen sowie fließend Deutsch in Wort und Schrift. «Auch Grundkenntnisse in Englisch und der Spaß am Umgang mit Menschen dürfen nicht fehlen», so Kerkmann.

Eine Besonderheit des Jobs ist für Leon Ungrad die Vielseitigkeit. Es gäbe einige Aspekte in der Ausbildung, die er sich im ersten Moment nicht als so wichtigen Teil seines Lehrplans vorgestellt hatte. «Der bauliche Brandschutz zum Beispiel nimmt in der Ausbildung großen Raum ein.»

Viele Inhalte findet er auch für sein Privatleben interessant. «Die Jedermannsrechte, auf die wir Sicherheitsmitarbeiter uns beziehen, hat jeder Bürger. Diese und andere rechtliche Grundlagen in der Schule zu lernen, ist daher über den Beruf hinaus gut.» Weniger gut findet er, dass er immer wieder auf Menschen trifft, die keine oder falsche Vorstellungen von seiner Arbeit haben.

Hat Ungrad, der sich im zweiten Ausbildungsjahr befindet, die Ausbildung erfolgreich hinter sich gebracht, kann er optimistisch in die Zukunft blicken. «Die Aussichten für unsere Auszubildenden stehen gut», sagt Kathrin Kerkmann. Viele der Azubis würden übernommen.

Als Warenhausdetektiv oder am Airport im Einsatz

Die Gehälter während der Ausbildung unterscheiden sich je nach Bundesland und Betrieb. Die Bundesagentur für Arbeit gibt zur Orientierung monatliche Bruttogehälter zwischen 580 und 850 Euro im ersten Lehrjahr an. Im letzten Jahr der Ausbildung steigt das Gehalt auf zwischen 710 und 950 Euro an.

In Nordrhein-Westfalen sieht der Verdienst folgendermaßen aus: «Die Lehrlinge bekommen im ersten Jahr ein monatliches Gehalt von 719 Euro brutto, 795 Euro im zweiten Jahr und 937 Euro im dritten», sagt Peter Vogel, Berufsberater der Industrie- und Handelskammer zu Essen.

Nach der Ausbildung sind die Fachkräfte etwa als Warenhausdetektiv oder als Luftsicherheitsassistent im Einsatz. Diese Spezialkräfte sind im Bereich der Gepäck- und Fluggastkontrolle an Flughäfen tätig. Andere arbeiten etwa an Häfen, im öffentlichen Personenverkehr oder im Handel.

Wer weiterkommen will, kann zusätzliche Qualifikationen aufsatteln. «Es gibt etwa die Möglichkeit, sich als Meister für Schutz und Sicherheit oder Technischer Betriebswirt weiterzubilden. Auch ein Studium im Bereich Sicherheitsmanagement ist möglich», erklärt IHK-Berater Vogel.

Berufsporträt Bundesagentur für Arbeit

Ausbildungsbroschüre des Bundesverband der Sicherheitswirtschaft


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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