Richtig vorgehen beim Lehrstellenwechsel

07.01.2019
Ungerechtigkeiten, Überforderung oder Mobbing - manchmal passt es einfach nicht zwischen Betrieb und Lehrling. Das muss jedoch kein Grund sein, die Ausbildung abzubrechen. Manchmal hilft schon ein Lehrstellenwechsel. Dabei gibt es einiges zu beachten.
Wer sich in seinem Lehrbetrieb nicht wohlfühlt, sollte über einen Wechsel nachdenken. Auszubildende sollten aber nur dann kündigen, wenn sie schon eine neue Lehrstelle haben. Foto: Christin Klose
Wer sich in seinem Lehrbetrieb nicht wohlfühlt, sollte über einen Wechsel nachdenken. Auszubildende sollten aber nur dann kündigen, wenn sie schon eine neue Lehrstelle haben. Foto: Christin Klose

Berlin (dpa/tmn) - Da ist dieses mulmige Gefühl, jeden Morgen zum Arbeitsbeginn. Ein Unwohlsein, vielleicht Überforderung, vielleicht unerfüllte Erwartungen. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die dazu führen können, dass Auszubildende sich in ihrem Lehrbetrieb nicht wohlfühlen.

Ob fachliche, betriebliche oder zwischenmenschliche Differenzen - wenn die Unzufriedenheit zu groß wird, heißt es, die Reißleine zu ziehen. Das bedeutet nicht immer auch einen Ausbildungsabbruch. Oft kann der Wechsel in einen anderen Lehrbetrieb helfen.

Probleme ansprechen

«Zunächst sollte man aber versuchen, die Probleme anzusprechen, dabei kann vieles bereits geklärt werden», sagt Daniel Gimpel von der Jugendabteilung im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). In der Regel ist der Ausbildungsverantwortliche des Betriebs der erste Ansprechpartner. Auch andere Kollegen, der Betriebsrat, die zuständigen Kammer, die Gewerkschaft oder einer Ausbildungsberatung können helfen.

Selbst wenn es später zur Kündigung kommen sollte, ist es wichtig, vorab mit den Verantwortlichen über mögliche Pflichtverletzungen des Ausbildungsbetriebs gesprochen zu haben. Wenn sich trotzdem nichts ändert, hat der Lehrling unter Umständen einen Grund zur Kündigung.

Kündigung am besten in der Probezeit

Vor jeder Kündigung muss aber ein Plan B her. «Man sollte nie kündigen, bevor man nicht weiß, wie es weitergehen soll», rät Sabrina Schittel vom Beratungsprojekt «azuro - Ausbildungs- & Zukunftsbüro» in München. Denn wer kündigt, ohne eine neue Lehrstelle vorweisen zu können, riskiert zu viele Fehlzeiten während der Ausbildung. Das könnte wiederum dazu führen, dass die zuständige Kammer die Ausbildungszeit verlängert.

Ist die Entscheidung zum Lehrstellenwechsel gefallen und eine Perspektive gefunden, sollte man die Kündigung nicht künstlich in die Länge ziehen, rät Florian Kaiser von der Industrie- und Handelskammer (IHK) München/Oberbayern. Denn: Nur wer während der Probezeit kündigt, kann dies jederzeit und ohne Angabe von Gründen tun. Ist die Probezeit bereits verstrichen, wird es ungleich schwerer, dem Lehrbetrieb zu kündigen und die Ausbildung trotzdem fortzusetzen. Nur, wer den Beruf wechseln oder die Ausbildung aufgeben möchte, kann den Ausbildungsvertrag mit einer Frist von vier Wochen kündigen.

Fristlos kündigen

Wer dagegen lediglich die Lehrstelle wechseln möchte, muss fristlos kündigen. Dazu müssen dem Betrieb Pflichtverstöße vorzuwerfen sein, etwa was die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien, das Führen eines Berichtshefts oder die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes angeht. Aber auch sexuelle Belästigung, Diskriminierung oder unbezahlte Überstunden sind Kündigungsgründe.

Eine fristlose Kündigung sollte nie ohne professionelle Hilfe geschrieben werden, denn die formalen Anforderungen sind hoch. Eine bessere Alternative kann ein Aufhebungsvertrag sein. Darin kann die Austrittsfrist in Absprache mit dem Unternehmen selbst formuliert werden.

Leistungen anerkennen lassen

Azubis müssen auch die Berufsschule über die anstehenden Änderungen informieren. Denn die Schule ist gesetzlich nicht verpflichtet den Lehrling weiter zu unterrichten, wenn er nicht mehr in einem Ausbildungsverhältnis ist. «Viele Berufsschulen drücken noch ein Auge zu und gewähren eine Überbrückungszeit. Die muss aber vorher abgesprochen sein», so Schittel.

Ganz ähnlich sieht es bei der Anrechnung bereits erbrachter Leistungen im Betrieb aus. Der neue Betrieb kann die Vorkenntnisse anerkennen, er muss es aber nicht. In der Regel gibt es dabei keine Probleme: «Unserer Erfahrung nach kann die Ausbildung meist an der Stelle weitergeführt werden, wo sie beendet wurde», sagt Schittel.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ganz vorne: Der Friseur ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe von Hauptschul-Absolventen. Viele Branchen und Betriebe bevorzugen jedoch Realschüler oder sogar Abiturienten. Foto: Markus Scholz/dpa Der steinige Weg vom Hauptschüler zum Azubi Gastronomen, Baubetriebe, Handwerker - viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs. Und trotzdem gibt es jedes Jahr tausende Jugendliche, die einfach keinen Ausbildungsplatz finden. Woran liegt das? Und was können Betroffene tun, um doch noch unterzukommen?
Arbeit an einem Werkstück: Steinmetze wie Michael Müller müssen präzise arbeiten und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert Wie werde ich Steinmetz/in? Beim Steinmetz-Beruf kommen einem am ehesten Grabmale in den Sinn. Doch auch bei der Gestaltung von Fußböden oder Fassaden, Kaminen oder Kirchen sind sie gefragt. Die Arbeit fordert nicht nur den Körper.
Abwechslung garantiert: Im Rahmen seiner Ausbildung lernt Bauwerksabdichter Denny Wagner zahlreiche verschiedene Materialien und Methoden kennen. Foto: Georg Göker/Ballmann Dächer GmbH Wie werde ich Bauwerksabdichter/in? Dächer, Tiefgaragen, Brücken: Es gibt kaum eine Baustelle, auf der Bauwerksabdichter nicht unterwegs sind. Sie sorgen dafür, dass Feuchtigkeit Gebäuden nichts anhaben kann - und bekommen es dabei oft genug selbst mit Wind und Regen zu tun.
Arbeiten für den Nervenkitzel anderer: Viele Freizeitparks sind auf der Suche nach Nachwuchskräften. Foto: Ina Fassbender/dpa-tmn Mehr als Achterbahnfahren: Ausbildungen im Freizeitpark Arbeiten im Freizeitpark? Das ist mehr, als im Plüschkostüm Kindern zu winken und Achterbahnbügel zu prüfen. Wer hier seine Lehre macht, wird umfangreich ausgebildet und hat später viele Möglichkeiten. Eines aber sollte klar sein: Dauer-Karussellfahren ist nicht drin.