Mit leisen Tönen zum Erfolg - So überzeugen Introvertierte

14.12.2015
Was soll ich nur auf der Betriebsfeier sagen? Und wieso hört mir im Meeting keiner zu? Das sind nur zwei der Situationen, die für Introvertierte nicht leicht zu meistern sind. Um vom Chef trotzdem bemerkt zu werden, helfen die richtigen Strategien.
Im Meeting kommen Introvertierte häufig kaum zu Wort. Während sich die Extrovertierten die Bälle zuspielen, sind sie oft zu zaghaft. Hier kann eine gute Vorbereitung helfen. Foto: Christin Klose
Im Meeting kommen Introvertierte häufig kaum zu Wort. Während sich die Extrovertierten die Bälle zuspielen, sind sie oft zu zaghaft. Hier kann eine gute Vorbereitung helfen. Foto: Christin Klose

Ahrensburg (dpa/tmn) - Introvertierte Menschen fallen vor allem durch eines auf: ihre Zurückhaltung. Während sich die extrovertierten Kollegen in Meetings wortreich in den Vordergrund stellen, sind sie für die leisen Töne bekannt.

Über die berufliche Qualifikation muss diese Charaktereigenschaft nichts aussagen. So überzeugen Introvertierte ihr Umfeld von ihren Qualitäten:

Das Meeting: Introvertierte Menschen überlegen in der Regel gut, bevor sie etwas sagen. In Meetings mit ausdrucksstarken Kollegen und Vorgesetzten kann das dazu führen, dass sie nie zu Wort kommen. Immer reden die gleichen Leute und werfen sich gegenseitig die Bälle zu. «Die introvertierten Menschen bekommen dann schnell das Gefühl, dass ihre Meinung nicht gefragt ist», sagt Coach Natalie Schnack.

Dieser Teufelskreis lässt sich aber durchbrechen. Schritt 1: Begreifen, dass die eigene Meinung gefragt ist, die Kollegen nur nicht gewohnt sind, sie zu hören. Schritt 2: Sich fest vornehmen, etwas zu sagen. «Bereiten Sie sich gezielt auf das Meeting vor, machen Sie sich Notizen», empfiehlt Schnack.

Die Betriebsfeier: Ob Weihnachtsfeier oder Firmenjubiläum - für zurückhaltende Menschen können diese Massenveranstaltungen ein anstrengender Pflichttermin sein. Small-Talk ist ihnen ein Gräuel, Netzwerken eine echte Herausforderung. Während andere Kontakte knüpfen, stehen sie still in der Ecke und nippen an ihrem Getränk.

Anne Heintze, Coach zum Thema, empfiehlt Introvertierten, sich einen Verbündeten zu suchen. «Verabreden Sie sich mit einem Kollegen vor Ort oder fahren Sie bereits gemeinsam hin.» Sinnvoll sei auch, sich im Vorfeld zu überlegen, mit wem und worüber man sprechen kann. Gibt es gemeinsame Themen mit Kollegen, etwa Hobbys oder Interessen?

Chef-Gespräch: Wenn der Chef zum Gespräch lädt, ist das erstmal mit tausend Fragen verbunden. Extrovertierte Menschen kommen damit häufig ganz gut klar, denn sie vertrauen auf ihre Fähigkeit, stets die richtige Antwort parat zu haben. Introvertierte Menschen sind aber meistens nicht so spontan. «Sie würden am liebsten exakt wissen, was auf sie zukommt», sagt Schnack. Eine Möglichkeit für Intros ist dann, den Chef vorab um Informationen zu bitten, worum es geht.

Das Großraumbüro: Für introvertierte Menschen ist der hohe Geräuschpegel in Großraumbüros eine echte Belastung. «Introvertierte reagieren schneller gestresst auf Außenreize als Extrovertierte», erklärt Felicitas Heyne, Psychologin und Buchautorin. Sie empfiehlt leisen Gemütern, zu überprüfen, ob es am Arbeitsplatz Verbesserungsmöglichkeiten gibt:

Existieren Rückzugsräume? Gibt es flexiblere Arbeitszeiten oder ein Einzelbüro, das stundenweise genutzt werden kann? Sind Ohrstöpsel eine Lösung? Man sollte den Kollegen allerdings erklären, warum man diese Maßnahmen ergreift, damit die sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen.

Die Präsentation: Ideen haben sie genug. Vor dem Team oder einem größeren Publikum darüber zu berichten, ist aber nicht die Lieblingsaufgabe von introvertierten Menschen. «Da hilft nur üben, üben, üben!», sagt Heintze. «Das Grundproblem ist, dass introvertierte Menschen oft nicht das beste Selbstbild haben und ihr größter Kritiker sind.»

Sie empfiehlt deshalb, eine Präsentation zu Hause vor dem Spiegel zu üben und sich Familie und Freunde als Zuhörer einzuladen. «Lassen Sie sich dabei mit dem Handy filmen», rät Heintze. «Wenn man sich selbst mal von außen sieht, merkt man, dass eigentlich alles ganz gut aussieht. Das macht souveräner.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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