Im Alter noch mal Neues lernen

05.11.2018
Wer anfängt zu studieren, hat sein Berufsleben meist noch vor sich. Doch die Hörsäle stehen auch älteren Menschen offen - und deren Interesse ist groß. Viele Universitäten bieten sogar ein speziell auf Senioren zugeschnittenes Programm an.
Lernen mit Gleichgesinnten: Immer mehr Hochschulen wie hier in Halle bieten Vorlesungen und Seminare speziell für Senioren an. Foto: Waltraud Grubitzsch
Lernen mit Gleichgesinnten: Immer mehr Hochschulen wie hier in Halle bieten Vorlesungen und Seminare speziell für Senioren an. Foto: Waltraud Grubitzsch

München (dpa/tmn) - «Ein Hörsaal voller junger Leute, das ist nichts für mich», dachte Friederike Wittmann, als sie von einer Bekannten hörte, die sich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München für ein Studium eingeschrieben hatte.

Senioren im Hörsaal

Noch einmal Neues lernen - dieser Gedanke reizte die 74-Jährige allerdings schon. Und eine Idee, in welchen Fachbereich sie sich vertiefen will, hatte sie auch. Geschichte sollte es sein.

Wittmann entschied sich für ein Angebot der Seniorenakademie des Münchner Bildungswerks, getragen vom Verein Katholische Erwachsenenbildung in der Stadt und im Landkreis München. Drei Jahre lang besuchte sie einmal pro Woche jeweils drei Kurse. Neben Geschichte standen Literatur, Architektur und Psychologie auf dem Stundenplan. Kostenpunkt: knapp 300 Euro pro Semester.

Akademischer Verein der Senioren in Deutschland

Studieren im Alter ist keine Seltenheit. «Die Tendenz ist eindeutig steigend», sagt Bernd Werner Schmitt vom Akademischen Verein der Senioren in Deutschland (AVDS). Neben Angeboten von Volkshochschulen oder freien Trägern gibt es auch an den Universitäten verschiedene Möglichkeiten, die oft sogar günstiger sind. Einen Überblick gibt der regelmäßig erscheinende Studienführer des AVDS. Etwa 55 000 Senioren zählt der Verein aktuell an deutschen Universitäten.

Wie immatrikuliert man sich?

Der Weg in den Hörsaal oder Seminarraum ist relativ einfach. Meist benötigt man kein Abitur, eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Bewerben kann man sich in der Regel auf das gesamte Angebot der Uni, lediglich manche NC-Fächer wie Psychologie sind für Gasthörer ausgeschlossen. «Die gewünschten Veranstaltungen müssen mittels eines Gasthörerantrages bei den Fakultäten beantragt und auf freie Kapazitäten geprüft werden», erklärt Yvonne Weigert von der Universität Leipzig. Die Gasthörerschaft beschränkt sich allerdings auf einzelne Veranstaltungen, einen Abschluss können Senioren so nicht machen. Die Kosten schwanken von Uni zu Uni und können je nach Anzahl der besuchten Kurse zwischen 40 und 300 Euro liegen.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit, sich ganz regulär für einen Studiengang zu immatrikulieren. Eine Altersgrenze gibt es auch dafür normalerweise nicht, nur die NC-Fächer sind hier wieder eine Ausnahme. Die Regularien unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, manche Universitäten erheben für Studierende ab einem bestimmten Alter auch Gebühren.

Spezielle Angebote für Senioren

Wer sich unter den Mittzwanzigern im Hörsaal nicht wohl fühlt, findet vor allem an den großen Universitäten auch Angebote speziell für Senioren. Sie kosten ähnlich viel wie ein Gasthörerstudium.

An der Universität Leipzig gibt es etwa die Seniorenakademie. Die zugehörigen Angebote sind der Sachgebietsleiterin Yvonne Weigert zufolge gut besucht. Es gibt mehr Bewerber als Plätze, etwa 1100 Interessierte melden sich pro Semester. Geschichte, Kunstgeschichte oder Theologie sind unter anderem besonders beliebte Fachgebiete.

Warum es so viele ältere Menschen noch an die Unis treibt? Viele haben den Drang, etwas nachzuholen, so Schmitt vom AVDS. «Die hätten in den 50er oder 60er Jahren gerne studiert, damals waren aber die Verhältnisse nicht so.» Das berichtet auch Friederike Wittmann: «Wenn es finanziell möglich gewesen wäre, hätte ich es gerne gemacht».

Infos vom AVDS


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Offen für alle? Auch Berufstätige und andere Nicht-Studenten können über spezielle Weiterbildungen Vorlesungen oder Seminare besuchen. Foto: Bodo Marks/dpa Uni ohne Studium: Weiterbildungen mit Hochschulzertifikat Wer an die Uni will, muss Student sein? Falsch! Längst ist es auch für Außenstehende möglich, Veranstaltungen zu besuchen - gegen Geld. Weiterbildungen mit Hochschulzertifikat machen es möglich. Der Markt ist jedoch arg unübersichtlich.
Ein großer Schritt nach vorne: Viele Gesellen hängen nach der bestandenen Ausbildung noch den Meister dran. Vor allem im Handwerk ist der Titel oft Voraussetzung für eine Selbstständigkeit. Foto: Britta Pedersen Weiterbildung nach der Ausbildung Fachwirt, Meister oder Fachkraft, staatlich oder öffentlich geprüft: Wer sich nach der Ausbildung weiterbilden will, wird schnell von der Flut verschiedener Möglichkeiten erschlagen. Einen Weg durch das Dickicht zu suchen, lohnt sich aber - nicht nur finanziell.
Zu Hause lernen und trotzdem mit anderen vernetzt sein: Neue digitale Trends bei Weiterbildungen machen das möglich. Foto: Wavebreak Media Digital und flexibel - Die Trends in der Weiterbildung Auf dem neuesten Stand bleiben, Kompetenzen erweitern, sich neu erfinden: Weiterbildung und lebenslanges Lernen sind unverzichtbar in unserer Arbeitswelt. Die Angebote der Weiterbildungsbranche entwickeln sich mit - und werden immer digitaler.
Pflegefachkräfte sind derzeit gefragt: Sie haben beste Aussichten auf einen krisensicheren Arbeitsplatz. Foto: Markus Scholz Viele Wege führen ins Berufsfeld Pflege Der Job einer Pflegefachkraft ist verantwortungsvoll und erfordert viel persönlichen Einsatz. Arbeitskräfte sind im Pflegebereich gefragter denn je. Wie gelingt der Einstieg in den Beruf?