Gericht urteilt: Keine Cannabis-Therapie für Alkoholkranke

28.06.2022
Cannabis gegen die Alkoholsucht, das forderte ein 70-Jähriger von seiner Krankenkasse. Die versagte ihm die Kostenübernahme. Aus einem ganz bestimmten Grund.
Cannbis gegen Alkoholsucht? Ein Gericht urteilte, dass einem klagenden Suchtkranken diese Therapie nicht zusteht. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Cannbis gegen Alkoholsucht? Ein Gericht urteilte, dass einem klagenden Suchtkranken diese Therapie nicht zusteht. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Darmstadt/Berlin (dpa/tmn) - Cannabis auf Kosten der Krankenkasse gibt es bei einer Alkoholerkrankung in der Regel nicht. Das geht aus einem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts (AZ: L 1 KR 429/20) hervor, auf das die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist. Anspruch auf das Cannabis hat ein Alkoholkranker nur, wenn er nicht mit einer Standardtherapie behandelt werden kann.

In dem konkreten Fall hatte ein 70-Jähriger geklagt, dessen Krankenkasse seinen Antrag auf Medizinal-Cannabisblüten ablehnte. Er gab an, nur damit seinen Drang zum Alkoholkonsum kompensieren zu können. Die Krankenkasse verwies ihn auf die Möglichkeit einer Entwöhnungstherapie. Das Gericht gab der Krankenkasse recht. Es gebe außerdem noch andere Standardtherapien zur Behandlung einer Alkoholerkrankung, unter anderem Rehabilitationsmaßnahmen, medikamentöse Rückfallprophylaxe und Psychotherapie.

© dpa-infocom, dpa:220628-99-834916/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Cannabisblüten können seit 2017 von Ärztinnen und Ärzten auf Rezept verschrieben werden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn Urteil: Kein Cannabis auf Rezept bei Schlafapnoe-Syndrom Seit 2017 dürfen Ärztinnen und Ärzte Cannabis verordnen - zum Beispiel bei schweren chronischen Schmerzen. Wo die Grenzen des Anspruchs liegen, zeigt eine Gerichtsentscheidung.
Unter Umständen muss die Krankenkasse für eine Behandlung mit Cannabis zahlen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn Krankenkasse zahlt im Notfall für Cannabis-Behandlung Cannabis ist nicht nur Rauschgift - sondern auch Arzneimittel. Allerdings gibt es Regeln, wann Ärzte es verschreiben dürfen und Krankenkassen es bezahlen müssen.
Wenn Ärzte meinen, dass eine Berufskrankheit vorliegt, müssen sie dies dem Unfallversicherungsträger melden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Was Sie zu Berufskrankheiten wissen müssen Eine Krankheit als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, ist oft nicht leicht. Nur ein Teil der gemeldeten Fälle wird auch bestätigt. Wie läuft das Verfahren ab? Antworten auf wichtige Fragen.
Ob Cannabis auch eine krebsheilende Wirkung hat, bezweifeln viele Mediziner. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht. Foto: Swen Pförtner Mit Cannabis gegen Krebs: Hype oder Hoffnung? Das Internet ist voll von Geschichten über Cannabis als Krebsmittel. Doch wissenschaftliche Belege fehlen, Studien gibt es kaum. Das hält manche Mediziner vom Einsatz der Pflanze ab, viele Patienten nicht.