Fünf Tipps zum Studium ohne Abi

05.04.2018
Nach dem Abi geht es an die Uni: Das ist der übliche Weg, aber längst nicht der einzige. Denn auch ohne Abitur oder Fachabitur ist Studieren möglich. Die Zulassung kann allerdings kompliziert werden - und die Finanzierung knifflig.
In Deutschland hat die Anzahl an Studierenden ohne Abitur zugenommen. Foto: Waltraud Grubitzsch
In Deutschland hat die Anzahl an Studierenden ohne Abitur zugenommen. Foto: Waltraud Grubitzsch

Gütersloh (dpa/tmn) - Studieren geht auch ohne Abitur. Etwa 8000 der rund 19 000 Studiengänge an deutschen Hochschulen lassen sich auch ohne Abi oder Fachabi belegen, teilt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) mit. Dabei gibt es aber einiges zu beachten. Ein Überblick:

1. Zulassung: Hochschulbildung ist Ländersache. Damit gelten für das Studieren ohne Abi je nach Bundesland und Hochschule unterschiedliche Regeln. Ein paar Grundsätze gibt es aber: Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Joberfahrung hat, kann in einem dazu passenden Fach studieren - Kaufleute also etwa BWL. Wer etwas studieren will, das mit der Ausbildung nichts zu tun hat, braucht in vielen Fällen den Meister oder vergleichbare Abschlüsse wie Techniker und Fachwirt. Und wer einen Masterstudiengang belegen will, muss vorher fast immer erst den Bachelor machen.

2. Numerus Clausus: Sogar Fächer mit Zulassungsbeschränkung, die also einen bestimmten Notenschnitt voraussetzen, lassen sich oft ohne Abi studieren. Dafür gibt es in vielen Bundesländern Vorabquoten: Bevor die Plätze verteilt werden, geht ein kleiner Teil erst einmal an andere Personengruppen. Und das können etwa Bewerber mit Berufserfahrung sein. Auf diesem Weg ist es sogar möglich, einen der vier Studiengänge mit zentraler Zulassungsbeschränkung zu belegen - Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie.

3. Inhalte: Wer es ohne Abi einmal an die Uni geschafft hat, lernt dort genauso wie andere Studierende - Unterschiede gibt es dann keine mehr. Manche Hochschulen bieten aber spezielle Kurse für Studenten ohne Abi an, um zum Beispiel das Mathe-Wissen aus der Schule aufzufrischen. Und Berufserfahrung lässt sich manchmal anrechnen, Pflichtpraktika können dann zum Beispiel wegfallen.

4. Finanzierung: Auch ohne Abi gibt es Bafög - theoretisch zumindest. Wer auf diesem Weg Unterstützung für ein Bachelor-Studium haben will, darf aber nicht älter als 30 sein, beim Master liegt die Grenze bei 35. Für Studierende, die aufgrund ihrer Berufserfahrung eine Hochschulzulassung bekommen, gibt es aber Ausnahmeregelungen. Trotzdem bekommen ältere Studis oft kein Bafög, warnt das CHE - etwa weil das Einkommen des Ehepartners angerechnet wird. Es gibt aber Alternativen, das Aufstiegsstipendium des Bundes zum Beispiel.

5. Erfolgsaussichten: Studierende ohne Abi sind ähnlich erfolgreich wie Kommilitonen mit. Das zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW): Demnach gleichen sich die Noten spätestens im dritten Semester an, zum Examen gibt es kaum noch Unterschiede. Die Abbruchquote ist unter den Studierenden ohne Abi allerdings höher - zum Beispiel, weil sie Studium, Familie und vielleicht noch den Job manchmal nicht unter einen Hut bekommen.

Online-Portal des CHE zum Studieren ohne Abitur

Informationen zum Aufstiegsstipendium des Bundes

Immer mehr Studenten ohne Abitur

In Deutschland studieren so viele Menschen ohne Abitur wie noch nie. Seit 2010 hat sich die Zahl der Studierenden ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife mehr als verdoppelt, wie aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Erhebung des CHE Centrums für Hochschulentwicklung hervorgeht. Nach der aktuellen Berechnung des CHE waren es 2016 rund 56 900 Personen. 55 Prozent der Studienanfänger ohne Abitur wählt laut CHE ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Jeder Fünfte studiert Ingenieurwissenschaften. Knapp zwei von drei entscheiden sich für ein Studium an einer Fachhochschule oder einer Hochschule für angewandte Wissenschaften.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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