Ein Kind in zwei Haushalten: Eltern müssen sich einigen

01.04.2016
Längst nicht mehr leben Kinder getrennter Eltern hauptsächlich bei der Mutter und sehen den Vater nur am Wochenende. Inzwischen teilen sich Eltern auch den Alltag mit Kind. Eine Herausforderung für alle - die sich aber meistern lässt.
Leben die Eltern getrennt, müssen Kinder oft von einer Wohnung zur anderen pendeln. Ein gutes Miteinander der Eltern erleichtert Kindern diese Situation. Foto: Andreas Gebert
Leben die Eltern getrennt, müssen Kinder oft von einer Wohnung zur anderen pendeln. Ein gutes Miteinander der Eltern erleichtert Kindern diese Situation. Foto: Andreas Gebert

Fürth (dpa/tmn) - Lebt ein Kind abwechselnd bei Mutter und Vater, müssen die Eltern als Team zusammenarbeiten. Wichtig ist, dass das Wohnen in zwei Haushalten für das Kind nicht zur Zerreißprobe wird, erklärt Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Das ständige Pendeln sei zuerst meist eine große Belastung für Kinder und Eltern. «Aber Kinder bekommen das hin», sagt Urban. «Es braucht aber auch Zeit und Geduld bei der Umstellung.» So müsse sich erst mal eine gewisse Routine einspielen. Vier Tipps der Expertin:

Die Wechsel: Steht der «Umzug» von einem Elternteil zum anderen an, ist das für das Kind oft mit widersprüchlichen Gefühlen verbunden: Vorfreude und Traurigsein. Dann ist es wichtig, dass Eltern das Kind entlasten und ihm Schuldgefühle nehmen. Urban schlägt vor, etwas zu sagen wie: «Ich bin etwas traurig, dass ich dich die kommenden zwei Ferienwochen nicht sehe, denn du wirst mir fehlen. Ich freue mich aber auch, dass du fahren kannst, und bin gespannt, was du mir alles berichten wirst.»

Das Miteinander: Auch für die Eltern ist die Situation oft belastend, besonders kurz nach einer Trennung. Das sollten sie aber aus allen Absprachen, die das Kind betreffen, heraushalten. «Versuchen Sie, in schwierigen Zeiten ruhig nur über Ihr Kind und was Sie sich dazu wünschen zu sprechen», rät Urban. Ziel sollte ein respektvolles Miteinander sein. Besonders wichtig: Mütter und Väter dürfen vor den Kindern nie schlecht über den anderen sprechen - egal, wie groß der persönliche Schmerz ist. Sehr belastend für den Nachwuchs ist es auch, wenn die Eltern ihn übereinander aushorchen, streiten oder gar nicht mehr miteinander sprechen.

Das Umfeld: Bei so einer großen Umstellung im Alltag ist es ideal, wenn das Kind in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann, etwa die gleiche Schule oder Kita besucht. Und Urban betont: «Natürlich ist es schön, wenn das Kind bei jedem noch ein eigenes Zimmer hat.»

Die Erziehung: «Es ist für die betroffenen Kinder gar nicht leicht, immer mit den zum Teil doch anderen Regeln und Gewohnheiten bei Mama und Papa umzugehen», erklärt Urban. Die Eltern sollten die Erziehung zumindest grob abstimmen. «Beispielsweise zum Fernsehkonsum, den Umgang mit Videospielen, zur Hausaufgaben-Routine oder wie lange das Kind wach bleiben darf.» Wie sonst auch dürfe es natürlich Unterschiede zwischen Mama und Papa geben - aber grundsätzlich sollten die Eltern an einem Strang ziehen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Opfer häuslicher Gewalt können auf ein vielschichtiges Hilfsangebot zurückgreifen: vom Notruftelefon über Beratung bis hin zu Zufluchtsorten. Foto: Maurizio Gambarini/dpa Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt Am Anfang ist es Liebe. Später wird daraus Gewalt. Diese Entwicklung nimmt so manch eine Beziehung. Opfer sind in den meisten Fällen Frauen und Kinder. Zum Glück stehen ihnen Hilfsangebote zur Verfügung.
Regelmäßige Kopfschmerzen können bei Jugendlichen zu einem Teufelskreis aus Leistungsabfall, Schulangst und Isolation führen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Warum Ursachen-Klärung bei häufigem Kopfweh so wichtig ist «Ach, das wird schon wieder» - klagt ihr Nachwuchs über Kopfweh, neigen Eltern manchmal dazu, das nicht allzu ernstzunehmen. Doch das sollten sie tun. Vor allem, wenn die Schmerzen immer wiederkehren.
Guten Appetit: Auch an Bord haben einige Airlines wie Condor Extra-Angebote für Familien - zum Beispiel ein Kindermenü. Foto: Condor Fliegen als Familie: Regeln der Airlines im Überblick Mit dem Flieger in den Familienurlaub: Das ist stressig für Eltern und Kinder - und mitunter teuer. Die Airlines bieten teils Rabatte und befördern Sondergepäck für Kinder kostenlos. Doch es gibt große Unterschiede von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft.
Sport- und Bewegungsprogramme sind in der Regel ein Bestandteil jeder Kinder- und Jugendreha. Foto: Bündnis Kinder- und Jugendreha e.V./dpa-tmn Welche Vorteile eine Reha für Kinder und Jugendliche bietet Reichen ambulante Behandlungen nicht aus, können Kinder und Jugendliche eine mehrwöchige Reha machen. Dort steht nicht nur Therapie auf dem Plan - sondern auch Schulungen und Unterricht.