Egoismus oder Teamplay: Was einen im Job weiterbringt

16.11.2020
Die einen handeln ichbezogen, die anderen setzen auf Harmonie. Welche Strategie hilft im Berufsleben? Fest steht: Egoisten haben oft Erfolg. Aber langfristig gesehen hilft etwas anderes.
Unternehmen schätzen Mitarbeiter, die grundsätzlich auch auf die anderen gucken. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Unternehmen schätzen Mitarbeiter, die grundsätzlich auch auf die anderen gucken. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Hamburg (dpa/tmn) - Sie wollen Karriere machen? Na, dann fahren Sie mal die Ellenbogen aus, Sie werden sie brauchen. Gilt das tatsächlich heute noch? Wer kommt wirklich im Arbeitsleben weiter, die Egoisten oder die Teamplayer?

Die Ego-Zeit sei vorbei, meint Prof. Jens Weidner, Team-Arbeit dagegen extrem wichtig. «Als Ego-Shooter löst man keine komplexen Aufgaben mehr», sagt der Autor und Management-Trainer.

Melanie Kohl registriert ebenfalls einen Wandel in Unternehmen. Man könne heutzutage durchaus erfolgreich sein, indem man andere erfolgreich mache. Schließlich würden glückliche Mitarbeiter gerne mehr leisten, mehr Verantwortung übernehmen und seien motivierter. «Wer viele Egoisten im Team hat, wird das Gegenteil beobachten können.»

Wann Biss dennoch hilft

Ein kooperativer Teamplayer zu sein, bedeute jedoch nicht nur, immer für andere da zu sein, führt Kohl aus, sondern sowohl Verantwortung für die eigenen als auch für die gemeinsamen Ziele zu übernehmen.

Dazu kommt, dass Teams auch ihre Schattenseiten haben, wie Weidner darlegt. Sie könnten zu Gangs werden, die Angst verbreiten. Deshalb gelte es zu analysieren: Wie entsteht Gruppendruck? Wer ist Wortführer? Wer unterstützt mich auch nach Fehlern? Wer ist gegen mich?

«Für genau die Kollegen, die sich bemühen, einem Knüppel zwischen die Beine zu werfen, braucht es Biss», erläutert Weidner. Damit meint er nicht puren Egoismus, im Gegenteil. Der Berater und Kriminologe nennt es «positive Aggression». Dabei dürfe man auch mal nachtragend sein und müsse billigend in Kauf nehmen, dass andere verlieren.

Von Ausbeutern und Ausgebeuteten

Wie hart ein solcher Kampf jedoch werden kann, zeigen die Experimente von Prof. Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. Hat einer von zwei eigentlich gleich gestellten Mitarbeitern die Option, aufzusteigen und ein höheres Gehalt zu kassieren, wird dieser sich zu einem sogenannten «Erpresser» oder «Ausbeuter» entwickeln.

«Der Ausbeuter arbeitet weiter mit dem Kollegen zusammen, aber in 40 Prozent der Fälle eben nicht», erklärt Milinski. Dadurch sei er als Ausbeuter schwer zu erkennen. Das Gegenüber profitiere unterm Strich, wenn er oder sie weiter zusammenarbeite.

Wenn nette Kollegen einen über den Tisch ziehen

«Sie kennen die Kollegen oder Chefs als nett und hilfsbereit», schildert Milinski, «und plötzlich zieht er Sie über den Tisch.» Man hält es zunächst für ein Versehen, aber die Masche wiederhole sich. «Wenn Sie jemanden als Schleimer erkennen, ist das vermutlich ein Erpresser», sagt der Evolutionsbiologe.

Die Ausbeuterstrategie zwinge auf subtile, nette Weise den Gegenüber in seinem eigenen Interesse zur ständigen Kooperation. «Beide profitieren, der Ausbeuter aber erheblich mehr», führt Milinski aus. Für den Ausgebeuteten gibt es nur ein Entrinnen: wenn er komplett auf Gewinn verzichtet, was aber unvernünftig wäre.

«Die Regel ist simpel», sagt Milinski, «in der Mehrzahl der Fälle, aber zufällig verteilt, kooperativ sein, im Rest unkooperativ.»

Durchsetzen, um Gutes zu tun

Auf egoistisches, unkooperatives Verhalten des Gegenüber sollte man jedoch mit einer ebensolchen Vorgehensweise antworten. «Egoisten haben häufig einen kurzfristigen Erfolg», meint Weidner. Sie wüssten, wie man auftritt, hätten eine gute Performance. Der Erfolg sei aber selten nachhaltig. «Die verbrennen wie Ikarus in der Sonne an ihrer Selbstgefälligkeit.»

Weidner rät stattdessen: Setzen Sie sich durch, um Gutes zu tun. Wer sich durchsetzt, hilft dem Unternehmen, das dann eventuell mehr Umsatz macht oder höhere Gewinne erzielt.

© dpa-infocom, dpa:201113-99-320402/6

US-Langzeitstudien

Studie Milinski

Studie Milinski

Studie Toxische Mitarbeiter


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer mit Freunden um Jobs konkurriert, sollte eigene Interessen nicht zu weit zurückstellen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn Wenn aus Freunden Konkurrenten werden Beim Geld hört die Freundschaft auf, besagt ein Sprichwort. Aber gilt das auch indirekt, nämlich dann, wenn Freunde oder gar Paare um einen Job konkurrieren?
Ein bisschen Konkurrenz im Job spornt an - problematisch wird es immer, wenn der Wettbewerb so stark wird, dass Intrigen die Folge sind. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa Konkurrenz unter Kollegen: So schützen sich Mitarbeiter Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Nur weil diese Weisheit wohl jeder kennt, muss sie aber noch lange nicht stimmen. Unter Kollegen kann ein Zuviel an Konkurrenz genau das Gegenteil bewirken.
Wenn Kollegen oder Kolleginnen immer wieder Revierkämpfe austragen, ist es am besten, sie nicht im gleichen Team arbeiten zu lassen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Arbeitsplatz: Kollegen-Rivalität als Ansporn? Schneller, besser, effektiver: Aus einem kleinen Wettbewerb unter Kollegen kann schnell ein erbitterter Machtkampf werden. Wann Rivalität zum Problem wird und welche Lösungsstrategien es gibt.
Karriereanker sollen Arbeitnehmern Orientierung bieten und sie durch ihr gesamtes Berufsleben begleiten. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn Karriereanker geben Halt im Berufsleben Menschen brauchen einen Job, der zu ihnen passt und mit ihren Werten im Einklang steht - sonst werden sie immer mit ihrer Arbeit hadern. Um diese Werte zu finden, gibt es verschiedene Methoden. Eine davon ist die der sogenannten Karriereanker.