Diese Wege führen in die Pflege

27.07.2020
Ausbildung oder doch lieber Studium? Wer in der Pflege arbeiten möchte, den können verschiedene Wege ans Ziel bringen. Was unterscheidet den akademischen vom praktischen?
Mit dem neuen Pflegeberufgesetz hat sich in der Ausbildung künftiger Pflegekräfte einiges verändert. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Mit dem neuen Pflegeberufgesetz hat sich in der Ausbildung künftiger Pflegekräfte einiges verändert. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Darmstadt/Berlin (dpa/tmn) - Rund jeder fünfte Jugendliche kann sich vorstellen, später einmal in der Pflege oder in der Kinderbetreuung zu arbeiten. Das zeigte 2020 eine Umfrage unter mehr als 1000 14- bis 20-Jährigen im Auftrag des Familienministeriums.

Weniger begeistert guckten die Befragten auf die Arbeits- und Bezahlbedingungen. Aber welche Wege führen in die Pflege? Und auf welche Einsatzmöglichkeiten bereiten sie vor?

- Pflegehilfskraft:

Der kürzeste Weg in einen Pflegeberuf ist die Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Diese dauert je nach Bundesland ein bis zwei Jahre. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel ein Hauptschulabschluss.

«Als Pflegehilfskraft arbeitet man direkt mit dem Menschen zusammen», erklärt Alexander Daniel, Pflegepädagoge und Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Pflegebildung im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). «Man unterstützt die Pflegefachkräfte bei Aufgaben wie dem Anreichen von Nahrung, der Positionierung oder der Körperpflege von Pflegebedürftigen.»

- Pflegefachmann-/frau:

Die Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau ist seit Anfang 2020 durch das Pflegeberufegesetz neu aufgestellt worden. Vor der Neuregelung mussten sich angehende Pflegekräfte zwischen unterschiedlichen Ausbildungen etwa in der Kinder- oder Altenpflege entscheiden.

«Nun lernt man während der Ausbildung alle Bereiche kennen», sagt Hans Peter Engelhard, vom Beratungsteam Pflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).

Mit dieser generalistischen Ausbildung können Absolventen später in sämtlichen Bereichen der Pflege arbeiten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Voraussetzung ist die mittlere Reife oder die Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Azubis bekommen während ihrer Lehrzeit vom Ausbildungsbetrieb eine Vergütung. Neu ist zudem, dass auch an privaten Berufsfachschulen kein Schulgeld mehr gezahlt werden muss.

- Studium:

Auch mit einem Studium können Interessierte in den Pflegeberuf einsteigen. Voraussetzung ist in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung. Mancherorts lässt sich aber auch eine abgeschlossene Ausbildung zur Pflegefachkraft anrechnen.

«Der große Unterschied zwischen Studium und Ausbildung ist, dass der Theorieteil im Studium tiefer geht und anspruchsvoller ist», erklärt Engelhard. So würden angehende Pflegefachkräfte lernen, Studien auszuwerten und die aktuellen Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis zu übertragen, um die Patientenversorgung zu verbessern.

- Kombi-Modelle und duales Studium:

Wer in der Pflegepraxis arbeiten möchte, sollte aber nicht nur auf ein Studium setzen. «Die meisten Betriebe sehen es lieber, wenn jemand neben dem Studium auch eine Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht hat», sagt Arndt Blessing, Schulleiter des Bildungszentrums für Gesundheit Darmstadt.

Wer Studium und Ausbildung kombinieren will, hat aktuell noch die Möglichkeit, sich Leistungen anrechnen zu lassen und dadurch die Gesamtdauer von sechs Jahren zu verkürzen. Alternativ gibt es regional duale Studiengänge.

Durch das Pflegeberufegesetz laufen diese Modelle jedoch langsam aus. Neu ist ein mit dem Pflegeberufegesetz eingeführtes Studienmodell, das praktische Ausbildung und akademische Qualifizierung kombiniert. Mit einer Prüfung erhält man am Ende dieses mindestens dreijährigen Studiums den Bachelor und den Abschluss als Pflegefachmann oder -fachfrau. «Diesem Studiengang gehört die Zukunft», sagt Engelhard.

Infokasten: Wer sich für die Pflegeberufe interessiert, sollte zuvor ein Praktikum machen. «Dadurch bekommt man eine gute Vorstellung, was einen erwartet», sagt Alexander Daniel von der DBfK. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Optionen und eine Übersicht über Pflegeschulen sind auf der Internetseite pflegeausbildung.net des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zu finden. Auch die Pflegeschulen selbst seien gute Ansprechpartner.

© dpa-infocom, dpa:200723-99-896877/4

Infos zur neuen Pflegeausbildung

BMFSFJ: Pflegeausbildung

BMFSFJ: Broschüre zu neuem Pflegeberufgesetz

BMFSJ: Infos zur Jugendbefragung

Kernergebnisse Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein duales Studium bedeutet Doppelbelastung: Und an der Hochschule gibt es meist einen straffen Zeitplan. Foto: Markus Hibbeler/dpa-tmn Das bietet ein duales Studium Mit einem gesicherten Arbeitsplatz und ohne Bafög-Schulden ins Berufsleben starten: Das alles kann ein duales Studium ermöglichen. Doch Studierende müssen wissen, dass der Deal nicht nur Vorteile hat.
Im Skills-Lab der HSG Bochum gibt es Patientensimulatoren: Damit können angehende Hebammen Situationen aus ihrem Berufsalltag - wie hier zum Beispiel die Leopold’schen Handgriffe - stressfrei einüben. Foto: Volker Wiciok/hsg Bochum/dpa-tmn Was sich für angehende Hebammen ändert Vom Kinderwunsch bis zum ersten Geburtstag - wie Hebammen Familien in dieser Zeit unterstützen können, lernen sie in ihrer Ausbildung. Das duale Studium ist Pflicht - und bringt so manche Veränderung.
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bleibt gefragt. Foto: Oliver Berg Ausbildungsreport: Gleiche Lehrberufe bleiben beliebt In Deutschland gibt es mehr als 350 Ausbildungsberufe, doch ein Großteil der Bewerber konzentriert sich auf eine enge Auswahl. Da bleibt manche Berufsperle mit guten Perspektiven unentdeckt.
Jesco Ihme macht eine Ausbildung zum Forstwirt - der 30-Jährige ist gerade im zweiten Lehrjahr. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa-tmn Wie werde ich Forstwirt/in? Der Wald ist für viele ein Ort, um zu wandern oder sich zu erholen. Forstwirte verbringen dort die meiste Zeit ihres Arbeitstages. Der beginnt mit Sonnenaufgang - und erfordert Ruhe und Besonnenheit.