Das Einmaleins für Freelancer

21.10.2019
Sich unvorbereitet selbstständig machen, kann eigentlich nur schiefgehen. Wer bestimmte Grundregeln befolgt, entgeht aber den größten Fallstricken.
Freelancer haben in der Regel mehrere Auftraggeber. Ehrliche Kommunikation ist die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Foto: Giorgio Fochesato/Westend61/dpa-tmn
Freelancer haben in der Regel mehrere Auftraggeber. Ehrliche Kommunikation ist die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Foto: Giorgio Fochesato/Westend61/dpa-tmn

München (dpa/tmn) - Das Leben als Freelancer stellt sich so mancher viel schöner vor als das Angestelltenverhältnis. Als Illustrator, Gestalter oder Programmierer etwa hat man ja alle Freiheiten, oder?

Zu Hause in Jogginghose gemütlich ein paar Aufträge bearbeiten, dann mit Freunden zum Kaffee treffen und zu Feierabend noch ein paar Mails beantworten. Wer sich als Freiberufler behaupten will, muss aber sich und seinen Arbeitsalltag besonders gut organisieren. Diese Punkte sollten Freelancer dabei beachten:

Konzept machen und Businessplan erstellen

Vor dem Leben als Freelancer heißt es erst einmal: eine Geschäftsidee entwickeln und einen Business-Plan erstellen. Beides sollte mit einem Gründungsberater diskutiert werden. «So kann ich Feedback erhalten, ob die eigene Geschäftsidee tatsächlich tragfähig ist», sagt Andreas Lutz. Er ist Vorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland ( VGSD) mit Sitz in München.

Das Geld im Blick behalten

Wer sich selbstständig macht, benötigt in aller Regel in der Anfangsphase Geld. Denn es dauert eine Weile, bis das Geschäft einen Gewinn abwirft. Kapitalgeber können zum Beispiel Banken sein.

«In vielen Fällen bietet es sich an, erst einmal im Nebenerwerb mit der beruflichen Selbstständigkeit zu starten», rät Hamid Rezai vom Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. So kommt durch die hauptberufliche Tätigkeit Geld in die Kasse, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Zugleich können sie im Nebenerwerb testen, ob ihr Geschäftsmodell tatsächlich ankommt und sich unter dem Strich rechnet.

Für Selbstständige kann zudem ein Geschäftskonto Sinn machen. Darauf sollte sich eine größere Summe befinden - mindestens drei der im Businessplan kalkulierten Monatsnettoverdienste. «Man muss immer damit rechnen, dass man zwar arbeitet, aber der Kunde nicht sofort zahlt», sagt Sebastian Baum vom Fachverband Gründung, Entwicklung und Nachfolge im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Solche Reserven helfen auch im Falle einer Auftragsflaute.

Rechtzeitig Auftraggeber suchen

«Mit der Akquise von Aufträgen sollte so früh wie möglich begonnen werden», rät Lutz. Nicht selten sei der letzte Arbeitgeber oder einer dessen Konkurrenten der erste größere Auftraggeber. In einem solchen Fall heißt es aber: Aufpassen und sich noch weitere Auftraggeber ins Boot holen. Sonst könnte ein Gründer auf Dauer als arbeitnehmerähnlich damit scheinselbstständig gelten - und wäre dann Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Mit Auftraggebern kommen Freelancer etwa auf Branchenveranstaltungen oder Messen in Kontakt. «Ein Vorteil ist auch, wenn Selbstständige über ein möglichst weites Netzwerk verfügen», sagt Rezai. Ebenfalls wichtig ist ein eigener Online-Auftritt.

Terminfristen halten und Ausreden vermeiden

«Eine To-do-Liste für jeden Tag, welche Vorhaben konkret Priorität haben und welche nur bei einem Zeitüberhang angegangen werden, ist das A und O für jeden Selbstständigen», erklärt Baum.

Zeichnet sich ab, dass sich die Abgabe eines Projekts verzögert sollten Selbstständige dem Kunden so früh wie möglich Bescheid sagen. Dabei sollten Freelancer ehrlich die Gründe für die Verspätung benennen. Sonst wirken sie schnell unglaubwürdig und verlieren womöglich Auftraggeber.

Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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