Corona-Semester: Kaum Vorlesungen an Unis ausgefallen

18.03.2021
Erstsemester ohne Partys, weniger Studentenjobs: Corona macht auch das Leben an den Hochschulen nicht leichter. Vorlesungen und Prüfungen dagegen sind kaum ausgefallen - aber es gibt Ausnahmen.
Dank digitaler Formate mussten nur wenige Vorlesungen und Seminare im Wintersemester ausfallen. Das ergab eine Befragung von Studentinnen und Studenten. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Dank digitaler Formate mussten nur wenige Vorlesungen und Seminare im Wintersemester ausfallen. Das ergab eine Befragung von Studentinnen und Studenten. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Gütersloh (dpa) - Die Corona-Pandemie betrifft auch den Alltag von Studierenden - den Vorlesungs- und Prüfungsbetrieb an Hochschulen hat sie allerdings kaum beeinträchtigt. Das ist das Ergebnis einer Befragung von mehr als 27.000 Studentinnen und Studenten sowie 665 Hochschullehrern durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Demnach fiel nur knapp ein Prozent der geplanten Vorlesungen aus. Wie das CHE weiter mitteilte, konnten durch die Umstellung auf digitale Formate auch Seminare, Übungen und Tutorien von fast allen Lehrenden wie geplant angeboten werden.

Laborpraktika oder Exkursionen nur schwer zu ersetzen

Studienautor Marc Hüsch räumt aber ein, dass der geringe Ausfall von nur einem Prozent statistisch eingeordnet werden muss. «Eine Informatik-Vorlesung lässt sich beispielsweise problemlos Corona-konform digital durchführen. Naturwissenschaften mit verpflichtenden Laborpraktika oder Exkursionen stellte die aktuelle Situation vor ganz andere Herausforderungen», sagt Hüsch.

So mussten 43 Prozent der befragten Professoren aus den Fächern Geografie und Geowissenschaften Präsenzveranstaltungen wie Exkursionen im Wintersemester ersatzlos absagen. 31 Prozent der befragten Studierenden der Fächer Geografie, Geowissenschaften und Biologie bewerteten Geländepraktika und Exkursionen als «schlecht» oder «sehr schlecht». Über alle Fachbereiche hinweg boten 85 Prozent der Professoren ihre Veranstaltungen ausschließlich digital an.

Studierende vergeben gute Noten

Fächerübergreifend waren die Studierenden mit der Organisation an ihrer Uni mehrheitlich zufrieden. Drei von vier vergaben laut Mitteilung gute oder sehr gute Noten für die Möglichkeit, weiter Prüfungsleistungen zu erbringen oder angerechnet zu bekommen.

Für das Hochschulranking des CHE werden traditionell erst Studierende ab dem 3. Fachsemester befragt. So sind die Erfahrungen der Erstsemester nicht Teil der Erhebung.

Laut Umfrage wünschen sich nur 20 Prozent der Hochschullehrer eine Rückkehr zu reinen Präsenzveranstaltungen. Die große Mehrheit will, dass digitale Lehrelemente mit eingebunden werden und Präsenzveranstaltungen ergänzen. Nur zwei Prozent sprachen sich langfristig für ein reines Online-Modell aus.

Allerdings sehen Lernende und Lehrende hier noch technischen und didaktischen Unterstützungsbedarf. «Bei der fachspezifischen Weiterentwicklung digitaler Lehr- und Lernformate dürfen Lehrende nicht wieder auf sich allein gestellt sein, wenn der Alltag nach Corona wieder Einzug hält», sagt Hüsch. Digitale Infrastruktur und Hilfsleistungen müssten auf Basis der jetzt gemachten Erfahrungen ausgebaut werden.

© dpa-infocom, dpa:210318-99-873178/2

Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Anatomische Theorie oder lieber praktische Arbeit im Labor? Bei der Hochschulwahl müssen Studenten überlegen, was ihnen eher liegt. Foto: Waltraud Grubitzsch Worauf es bei der Hochschulwahl ankommt Rankings, Bewertungen von Studenten oder die Nähe zu den Bergen: Bei der Wahl der Hochschule zählen viele Faktoren. Manches erfahren Studienbewerber nur bei einem Besuch vor Ort.
Um sich an einer Hochschule zu immatrikulieren, braucht man nicht immer das Abitur. 51 000 Studenten schafften es 2015 ohne diesen Abschluss. Foto: Jens Kalaene/dpa Rekord bei Studium ohne Abitur Von wegen «zum Studieren braucht man Abi»: Über 50 000 an deutschen Unis haben keines. Als beruflich Hochqualifizierte oder über spezielle Prüfungen können sie sich den Traum doch erfüllen.
Kevin Müller träumt von einem Job in der internationalen Politik. Er studiert Public Policy an der Hertie School of Governance. Foto: Inga Kjer Neue Konzepte und Kontakte: Studium an privaten Hochschulen Ganz billig ist das Studium an einer privaten Hochschule in der Regel nicht. Dennoch steigen die Studentenzahlen kontinuierlich an. Was bieten die privaten, was staatliche nicht können?
Um begabte Jugendliche aus Nichtakademiker-Familien zu einem Studium zu motivieren, sind in Nordrhein-Westfalen Talentscouts im Einsatz. Foto: Oliver Berg Talentscouts suchen begabte Jugendliche für Hochschulen Gesucht: Begabte Schüler aus eher bildungsfernen Familien. Sie sollen ihr Potenzial nicht ungenutzt lassen. Diese Talente zu heben für eine akademische Laufbahn, ist Ziel eines Projekts in Nordrhein-Westfalen.