Burg Giebichenstein forscht zu Material

22.02.2021
Material als Forschungsprojekt gibt es jetzt an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Dabei ist die hallesche Einrichtung Teil eines Netzwerkes, bei dem auch Schweizer Kunst- und Fachschulen mitmachen.
Bodenproben stehen in der Materialsammlung. Das Forschungsprojekt «BurgMaterial» wird vom Land mit rund 300.000 Euro gefördert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB
Bodenproben stehen in der Materialsammlung. Das Forschungsprojekt «BurgMaterial» wird vom Land mit rund 300.000 Euro gefördert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Halle (dpa/sa) - Es ist eine Sammlung der besonderen Art. Rund 700 Materialproben lagern in der Bibliothek der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle.

Die größte Sammlung Deutschlands

Reagenzglasröhrchen mit Bodenproben, Braunkohlestückchen, Salz- und Schokoladebrocken, Schlackesteine, aber auch Fischleder aus Lachshaut, Korkeiche und sehr weiches Fell von der Kaninchenzüchtung Orylag. Ebenso gibt es in der Sammlung verschiedene getrocknete Pilze. «Dazu kommt der Bereich der intelligenten Materialien, welche sich zum Beispiel bei Erwärmung verformen und dann völlig andere Eigenschaften haben», sagt Professorin für Didaktik der Bildenden Kunst, Sara Burkhardt.

Zusammen mit der Professorin für Industriedesign, Mareike Gast, leitet sie das Projekt. «BurgMaterial» wird das Wissen über Material erweitern. Das Land unterstützt das Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit rund 300.000 Euro. Die Materialsammlung wurde 2015 mit dem Neubau der Hochschulbibliothek eingerichtet. Die Stücke kommen von Studenten, Hochschullehrern sowie von Firmen, die angefragt wurden.

«Im Bereich der Kunsthochschulen besitzen wir eine der größten Materialsammlungen in Deutschland und in dieser Form ist sie auch einzigartig in Sachsen-Anhalt», sagt Burkhardt.

Zusammenschluss mit schweizer Archiv

Momentan arbeiten zwei Mitarbeiter an der Registrierung. Jedes Objekt bekommt eine ausführliche Beschreibung. «Wir haben eine interne Datenbank. Darin sind die Materialien abrufbar», sagt Burkhardt. Neu ist die Verbindung mit dem schweizerischen Netzwerkmaterialarchiv, die auf beidseitigen Wunsch hin entstand. Dazu gehören in der Schweiz neun Sammlungen von Fach- und Kunsthochschulen mit insgesamt 1311 Materialproben. «Wir sind die zehnte in diesem Netzwerk und die erste aus Deutschland», sagt Burkhardt. «Nach und nach werden auch unsere Proben in das Netzwerk gestellt.»

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines modernen Vermittlungskonzeptes. «Die Frage, die wir uns in diesem Forschungsprojekt stellen: Wie kann die Sammlung für die Studierenden besser zugänglich gemacht werden?», sagt Gast. «Welche Geschichten kann Material erzählen, das ja seine Bedeutung durch Erinnerungen und durch bestimmte Verwendung hat.»

Gast erklärt: Künstler nutzen zum Beispiel den Symbolcharakter von Material und wählen bewusst Materialien mit bestimmten Eigenschaften oder Bedeutungen aus. «Was erzählen Materialien und welche Bedeutung haben sie für Kunst und Design?», sagt Gast. «Dazu kommt, dass die Studenten schauen, mit welchen Materialien sie es eigentlich in der näheren Umgebung, in ihrem praktischen Alltag, zu tun haben und welche Materialien regional vorhanden sind. Beispielsweise wäre das für die Region um Halle Salz und Braunkohle.»

Hochschule und Burg seit über 1000 Jahren

«Die Kunsthochschule in Halle ist eine der drei größten Kunsthochschulen in Deutschland. Die Besonderheit ist, dass Studiengänge sowohl in der Kunst als auch im Design, Innenarchitektur und Mode angeboten werden», sagt Sprecherin Silke Janßen. «Eine herausragende Rolle haben dabei die gut ausgestatteten Werkstätten und Ateliers und auch die Materialsammlung.» So soll die Sammlung auch an Schulen bekannt gemacht werden.

Die Einrichtung wurde 1915 als Kunstgewerbeschule gegründet, um eine moderne praxisnahe Ausbildung mit Werkstätten und künstlerischen Fachklassen zu ermöglichen. Mit dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau kamen 1926 eine Reihe von Bauhaus-Künstlern.

Die Burg Giebichenstein wurde erstmals 961 urkundlich erwähnt. Die heutige Kunsthochschule zog 1921 in die Unterburg der Burg Giebichenstein ein. An der Kunsthochschule in Halle studieren derzeit rund 1000 Studenten in den unterschiedlichsten Fachbereichen von Malerei, Textil bis Multimedia.

© dpa-infocom, dpa:210222-99-541421/3

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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