Bewerben mit 45 plus – So überzeugen Ältere den Personaler

29.02.2016
Ältere Arbeitnehmer haben im Bewerbungsprozess häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Punkten können sie mit Selbstbewusstsein, Gelassenheit – und mit ihren Stärken.
Es hat geklappt! Haben ältere Bewerber den oft schwierigen Bewerbungsprozess erfolgreich hinter sich, ist die Freude groß. Foto: Westend61/Chris Adams
Es hat geklappt! Haben ältere Bewerber den oft schwierigen Bewerbungsprozess erfolgreich hinter sich, ist die Freude groß. Foto: Westend61/Chris Adams

Berlin (dpa/tmn) – Sie sind erfahren, verfügen über viel Fachwissen und sind in der Lage, in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Das alles spricht für die Anstellung von älteren Arbeitnehmern.

Personalverantwortliche kennen diese Vorteile und sind oft dennoch skeptisch gegenüber einem Bewerber im Alter von 45 plus. Doch Vorbehalte wie mangelnde Flexibilität oder veraltete Fachkenntnisse können ältere Job-Kandidaten im Vorstellungsgespräch häufig widerlegen. Damit sie dazu überhaupt die Gelegenheit bekommen, müssen sie zunächst mit ihren Bewerbungsunterlagen überzeugen.

Grundsätzlich ist es besser, sich nicht in Papierform, sondern online zu bewerben – per E-Mail oder direkt auf dem Karriereportal des Unternehmens, wenn es diese Möglichkeit gibt. Damit können Bewerber von vornherein den Vorbehalt entkräften, sie seien technisch nicht auf der Höhe der Zeit.

In der Bewerbung selbst gilt dann: Das Anschreiben ist die Visitenkarte. «Es muss, wie bei jüngeren Bewerbern, fehlerfrei und klar strukturiert sein», sagt Christa Stienen. Sie ist Vizepräsidentin beim Bundesverband der Personalmanager (BPM). Das Anschreiben gehört nicht in die E-Mail. Bewerber sollten es gemeinsam mit dem Lebenslauf und den Zeugnissen als PDF-Dokument anhängen. In der E-Mail genügt ein kurzer Satz, dass der Empfänger die Bewerbungsunterlagen im Anhang findet. 

Auch wenn der Bewerber aufgrund seiner jahrelangen Berufserfahrung im Anschreiben vieles aufzählen könnte: Wichtig sind knappe, aber prägnante Aussagen. Im Idealfall ist das Anschreiben nicht länger als eine DIN-A4-Seite. «Ansonsten erweckt das schnell den Eindruck, ein Schwafler zu sein», sagt Georg Theis. Er arbeitet bei der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Kaiserslautern und berät ältere Erwerbstätige bei der Jobsuche.

Der Lebenslauf sollte übersichtlich gestaltet sein. Gerade bei älteren Bewerbern empfiehlt es sich, zuerst die beruflichen Stationen und dann die Aus- und Weiterbildungen aufzuführen, erklärt Katharina Heuer. Sie ist Geschäftsführerin bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). 

Kommt es aufgrund der überzeugenden Bewerbungsunterlagen zu einem Vorstellungsgespräch, ist vor allem eins angesagt: selbstbewusstes Auftreten. «Ältere Bewerber müssen klar zum Ausdruck bringen, welchen Mehrwert sie dem Unternehmen bringen und an was sie das festmachen», erläutert Kerstin Ercolino. Sie ist Beraterin bei der Talent- und Karriereberatung von Rundstedt. Kandidaten über 45 sollten deshalb sicher ihre beruflichen Erfolge referieren können. 

Zum Berufsleben gehören aber auch Misserfolge. Ältere Berufstätige haben sie alle schon erlebt und wissen, wo Fallen lauern. «Das haben sie jüngeren Arbeitnehmern voraus», erklärt Stienen. Mit Älteren spart ein Unternehmen gegebenenfalls viel Geld, weil ihnen bestimmte Fehler nicht mehr passieren. Das sollten ältere Bewerber deutlich machen.

Was Ältere Jüngeren ebenfalls voraushaben: Sie kennen aufgrund ihrer langen Berufserfahrung in ihrer Branche eine Vielzahl von Akteuren. Wer auf Jobsuche ist, sollte solche Kontakte nutzen. «Wichtig ist auch, sich in sozialen Medien zu präsentieren», sagt Stienen. Mit einem Profil bei Xing, LinkedIn & Co. haben Ältere eine gute Möglichkeit, sich mit ihren Fähigkeiten selbst zu vermarkten und so Interesse bei einem potenziellen Arbeitgeber zu wecken. Und es zeigt: Man ist noch auf der Höhe der Zeit. 


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Große Freiheit - oder noch mehr Druck? Viele Berufstätige träumen von der Arbeit zu Hause. In der Praxis hat das Homeoffice aber so seine Tücken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Überlebenstipps für das Homeoffice Beruf und Familie verbinden. Die Zeit besser einteilen können. Oder einfach nur ungestört arbeiten. Das sind drei mögliche Gründe dafür, im Homeoffice zu arbeiten. Doch wie gelingt das Arbeiten von zu Hause am besten?
Der Bewerbungsschluss für Masterstudiengänge, die im Wintersemester starten, ist der 15. Juli. Foto: Thomas Frey Neue Master-Studiengänge: Psychologie bis Biofabrication Zum Wintersemester starten in Köln, Bayreuth und Hamburg neue Masterstudiengänge. Darunter sind Angebote für angehende Wirtschaftspsychologen, Journalisten und auf Biomaterialien spezialisierte Materialwissenschaftler.
Für seine Kollegen stellt er sich auch mal an den Grill: Jerome Rienhoff kümmert sich als Feelgood-Manager darum, dass sich die Mitarbeiter bei der Firma UNIQ wohl fühlen. Foto: UNIQ GmbH Welche Aufgaben hat ein Feelgood-Manager? Immer mehr Firmen setzen auf Mitarbeiter, die eine Wohlfühlatmosphäre schaffen sollen. Sie heißen Feelgood-Manager, Corporate Culture Coordinator oder Well-Being-Beauftragte. Doch was genau macht ein Feelgood-Manager eigentlich? Und wie sinnvoll ist das Konzept?
In ihrem alten Beruf als Assistentin war Kerstin Till nicht glücklich. Heute arbeitet sie als selbstständige Psychologin. Foto: Oliver Pracht Alles auf Anfang: Wie ein Neustart im Beruf gelingt Immer wieder stellen Arbeitnehmer mitten im Berufsleben fest, dass sie den falschen Job haben. Um das Berufsleben im fortgeschrittenen Alter völlig umzukrempeln, braucht es allerdings einen guten Plan, ein finanzielles Polster, viel Mut - und Flexibilität.