Beratungsstelle: Selbsternannte Heiler finden Zulauf

18.04.2016
Heiler, Gurus und Esoteriker werden ein immer größeres Problem. Die Sektenberatungsstelle warnt Menschen, sich von charismatischen Beratern umgarnen zu lassen.
Eine Wahrsagerin hält ihr Pendel über diversen Tarot-Karten. Foto: Waltraud Grubitzsch
Eine Wahrsagerin hält ihr Pendel über diversen Tarot-Karten. Foto: Waltraud Grubitzsch

Essen (dpa) - Esoterische Lebensberater und selbsternannte Heiler werden nach Einschätzung von Sektenexperten in NRW zu einem immer größeren Problem. Heiler-Bewegungen wie etwa die Germanische Neue Medizin fänden ungebremsten Zulauf, sagte Sabine Riede von der Sekten-InfoNRW.

Im vergangenen Jahr ging es in 42 Prozent der Beratungsgespräche um solche Fälle. «Es gibt in unserer Gesellschaft ein Riesenbedürfnis, zu reden. Aber man will nicht zum Psychologen, denn man ist ja nicht krank», sagte Riede. Das machten sich charismatische Berater vor allem bei älteren Menschen zunutze.

In zahlreichen Fällen kamen Hilfesuchende auch wegen Problemen mit dem «Bruno-Gröning-Freundeskreis» und der sogenannten «Germanischen Neuen Medizin» (GNM) auf die Beratungsstelle zu. Die GNM sei nach längerer Pause zur Zeit wieder «en vogue», sagte Riede. Sie sei unter anderem einmal in einem Newsletter der Scientologen erwähnt worden.

Die GNM, der Gröning-Freundeskreis und ähnliche Gruppen gelten bei den Sektenexperten als gefährlich, weil sie hinter körperlichen Krankheiten häufig religiöse oder psychische Gründe suchten und Betroffenen von einer medizinischen Behandlung abrieten.

Einen weiteren großen Anteil am Beratungsgeschehen im Jahr 2015 hatten laut den Sektenexperten Informationsanfragen zu fundamentalistischen Gruppen. Ihnen galten im vergangenen Jahr 156 von 538 Informationsanfragen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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