Aus dem Team-Meeting wird jetzt ein «Standup»

10.06.2019
Der lange Konferenztisch, die gemütlichen Sessel - und dann erstmal 90 Minuten Laberei. Solche schrecklichen Meetings gibt es natürlich noch immer. Doch der Trend geht längst woanders hin. Oder besser: Er steht.
Weniger ist mehr: Für ein Standup sollten nicht zu viele Kollegen zusammenkommen. Denn in diesen Besprechungen sollte jeder zumindest kurz zu Wort kommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Weniger ist mehr: Für ein Standup sollten nicht zu viele Kollegen zusammenkommen. Denn in diesen Besprechungen sollte jeder zumindest kurz zu Wort kommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Hamburg (dpa/tmn) - Zeit ist Geld - vor allem für ein Unternehmen. Jede Minute, die ein Mitarbeiter in einem sinnlosen Meeting vergeudet, ist eine verlorene Minute Produktivität. Und doch scheint es, als sei der Konferenz-Marathon einfach nicht totzukriegen.

Im Gegenteil. «Es wird in Zukunft sogar noch viel mehr Meetings geben», sagt Imeyen Ebong, Leiter der Praxisgruppe Organisation bei der Unternehmensberatung Bain & Company.

Der Grund dafür: Die Welt wird komplexer. Und damit werden die Entscheidungen, die Unternehmen oder Behörden treffen müssen, immer vielschichtiger. «Für Entscheidungen, die eine Führungskraft früher vielleicht einmal alleine treffen konnte, werden heute oft drei bis fünf Experten hinzugezogen», sagt Ebong. «Und die müssen sich dann abstimmen.»

Und wer erledigt die Arbeit?

Doch wie soll man dann vor lauter Konferenzen noch zum Arbeiten kommen? «Die Frage ist ja, ob Meetings künftig noch die heutige Form haben müssen», sagt Ebong - und meint damit gleich zwei Dinge. Erstens das Ziel der Treffen: Das sollte immer eine Entscheidung sein - nichts anderes. «Alles, wo es nur um Informationsvermittlung geht, sollte man ersatzlos streichen», so der Experte. Schließlich gebe es heute genug andere Wege, Mitarbeiter inhaltlich ins Boot zu holen - vom Unternehmensblog bis zur simplen E-Mail.

Stehen soll Sitzen ersetzen

Stehen statt sitzen - ein Trend, der in vielen Unternehmen schon angekommen ist. Und das natürlich, wie es sich gehört, mit einem schicken englischen Namen: Dem Standup. Macht man das täglich, heißt es dann Daily Standup.

Damit eine fixe Stehkonferenz tatsächlich Zeit spart, muss sie das langatmige Sitzmeeting ersetzen, nicht ergänzen. Und sie sollte gut organisiert sein. «Ich muss klare Zielkorridore haben, ansonsten verliert man sich da schnell auf Nebenschauplätzen», sagt Coach Ingo Steinke

Eine Tagesordnung braucht es dafür nicht, sagt Stefanie Hecker, Beraterin für Personalentwicklung. Wichtig sei aber ein immer gleicher Aufbau und ein immer gleicher Zeitpunkt - egal ob morgens, mittags oder abends. Und: Es muss jemand den Hut aufhaben. «Es braucht einen Moderator, der erstens auf die Zeit und zweitens auf die Themen achtet.»

Diskutiert wird wo anders

Das heißt: Besprochen und entschieden wird im Standup nur, was bis zum nächsten Meeting dieser Art wichtig ist - alles andere hat dort nichts verloren, die langfristige Strategie zum Beispiel. Entsprechende Diskussionen muss der Standup-Leiter abwürgen.

Zudem muss der Moderator auf die Redeanteile achten, so Hecker. Denn im Idealfall kommt im Standup jeder zu Wort, und sei es nur kurz.

Wo jeder zu Wort kommt, darf es natürlich nicht zu voll sein. Mehr als zwölf Teilnehmer sollten es nicht sein, rät Hecker - ansonsten zerfällt die Runde in Grüppchen. «Da ist das Gespräch mit dem Nachbarn plötzlich interessanter als das, was der Kollege auf der anderen Seite gerade sagt.»

Gut moderiert und organisiert, kann die positive Wirkung des Daily Standups dann weit über das bloße «Wer macht heute was?» hinausgehen. «Im Idealfall sind solche kurzen Standup-Meetings sehr effizient, aber auch sehr persönlich», sagt Steinke. Ein Team, dessen Mitglieder sonst alleine im Büro oder hinter dem Computer hocken, kann sich in dieser Runde als Gruppe wahrnehmen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Manchem wird die Eigenverantwortlichkeit im Job auch zuviel. In so einem Fall kann man vom seinem Vorgesetzten in einem Mitarbeitergespräch durchaus konkrete Arbeitsanweisungen einfordern. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn Flexibilität im Job hat nicht nur Vorteile Dienstschluss, Arbeitsweise und sogar die Aufgaben: Viele Berufstätige entscheiden über solche Dinge inzwischen selbst. Neue Arbeitszeitregelungen, moderne Management-Methoden und digitale Technik machen es möglich. Doch nicht jeder kommt damit klar.
Ist die Langeweile im Meeting groß, fehlt es oft an einer klaren Zielsetzung des Treffens. Soll am Ende etwas entschieden werden? Oder geht es um die Diskussion? Foto: Christin Klose So kurz wie möglich: Meetings effizienter organisieren Oft dauern Teamtreffen so lange, dass am Abend deswegen Überstunden anstehen. Häufig sind sie außerdem langweilig, und es klappen einem währenddessen fast die Augen zu. Doch wie es besser machen?
Fehlentscheidungen im Job können teuer werden. Um sie zu vermeiden, können Perspektivwechsel helfen. Manchmal reicht es schon, in einem Meeting einmal die Plätze zu tauschen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn So vermeidet man Fehlentscheidungen im Job Eine falsche Entscheidung kann im Job hohe Kosten verursachen. Eine wichtige Investition zahlt sich nicht aus, oder eine Beförderung zieht an einem vorbei. Doch wie entscheidet man klug? Lässt sich das Risiko für Fehlentscheidungen minimieren?
Sich im Hier und Jetzt verorten: Wer im Achtsamkeitstraining fortgeschritten ist, schafft das auch in stressigen Situationen. Foto: Westend61/Stefan Kranefeld Was Achtsamkeit für den Beruf bringt Noch eine Aufgabe mehr und noch eine: So mancher Berufstätige fühlt sich im Dauerstress. Wer auf der Suche nach Strategien zur Stressprävention ist, stößt fast zwangsläufig auf das Konzept Achtsamkeit. Wie funktioniert das? Und für wen ist das etwas?