Wenn Mütter und Töchter im Partnerlook gehen

12.05.2019
«Mini Me» heißt ein Modetrend: Immer mehr Hersteller bieten ähnliche Outfits für Eltern und Kinder an - allen voran Luxusdesigner, die ihre Laufsteg-Looks für die Jüngsten anpassen. Was steckt dahinter, den Nachwuchs als Mini-Ausgabe seiner selbst auszustatten?
So tragen Mütter und Töchter Partnerlook. Die Online-Stylingberatung Zalon stellt Mini-Me-Boxen zusammen. Mama- oder Papa-Kind-Outfits werden hier individuell abgestimmt. Foto: Katja Henschel/Zalon.de/Little Years/dpa
So tragen Mütter und Töchter Partnerlook. Die Online-Stylingberatung Zalon stellt Mini-Me-Boxen zusammen. Mama- oder Papa-Kind-Outfits werden hier individuell abgestimmt. Foto: Katja Henschel/Zalon.de/Little Years/dpa

Berlin (dpa) - Beim Thema Partnerlook denken viele zunächst an Rentner-Paare in identischer roter Allwetterjacke, vielleicht noch an Freundinnen im Teenie-Alter, die exakt dasselbe Outfit tragen. Aber Mütter und Töchter im Partnerlook?

Väter und Söhne im gleichen knallblauen T-Shirt und der gleichen Boxershorts mit Bananenmuster? Tatsächlich bieten Modehersteller wie H&M oder WE Fashion Eltern-Kind-Kollektionen an, häufig unter der Überschrift «Mini Me», was so viel wie Mini-Ich bedeutet. Auch Online-Plattformen stellen entsprechende Partnerlooks zusammen.

Trend bei Luxusmarken

«Es ist ein großer Trend im Luxusbereich», sagt Judith Kessler, Kindermode-Expertin beim Branchenblatt «Textilwirtschaft». «Alle angesagten Brands gibt es in der Kinderversion - von Chloé über Gucci bis Boss.» Zunehmend wollten sich auch schon Neunjährige wie 16-Jährige stylen, sagt Kessler. So habe etwa die Männermodemarke Jack & Jones im August 2018 eine Juniorkollektion herausgebracht, die sich an der Erwachsenenkollektion orientiert.

Die «Mini Me»-Fotostrecken im Internet zeigen überwiegend Mädchen im Alter von vier bis neun Jahren und ihre Model-Mamas mit ähnlichen Haarfarben und Frisuren - beide im identischen Blümchenkleid oder der gleichen gestreiften Leinenhose.

Die Online-Stylingberatung Zalon bietet seit drei Jahren eine Mini-Me-Box an mit individuell abgestimmten Mama- beziehungsweise Papa-Kind-Outfits. «Es scheint der starke Trend zu bestehen, dass Eltern es mehr und mehr lieben, ihre Kinder zu kleinen Abbildern ihrer selbst zu stylen», beobachtet Zalon-Stylistin Rosa Biazzo. «Ohne Frage ist ein Kleinkind in Blouson und Chino oder Plisseerock und Bluse ein überraschendes Bild und deshalb umso niedlicher anzuschauen.»

Flasches Signal für die Beziehung?

Die Therapeutin Claudia Haarmann aus Essen sieht den Eltern-Kind-Partnerlook kritischer. «Der «Mini Me»-Trend bedeutet eine Angleichung zwischen den Generationen, die es faktisch nicht gibt», sagt die Autorin, die sich intensiv mit Familienbeziehungen beschäftigt hat. «Es stellt sich die Frage: Will die Tochter aussehen wie die Mutter oder die Mutter wie die Tochter?» Sie glaube, die Erwachsene wolle sich verjüngen. «Gleichzeitig wird ein Schulterschluss signalisiert: Wir sind Freundinnen. Wir sind unzertrennlich. Wir sind eins.»

Aus Sicht der Soziologin Christiane Varga spielt in Zeiten von Instagram & Co. beim «Mini Me»-Trend die Inszenierung eine wichtige Rolle. «Wenn man sich Fotos von Kindern aus den 80er und 90er anschaut, dann waren sie damals noch nicht so durchgestylt», sagt die Forscherin vom Zukunftsinstitut Wien. «Für mich ist da auch ein Stück Übergriffigkeit dabei, eine Inbesitznahme des Kindes.» Varga plädiert dafür, dass das Aussuchen von Kleidung gemeinsam mit Kindern «auf Augenhöhe» geschieht.

Zeischen Zugehörigkeit und Abgrenzung

Mode ist seit jeher ein gesellschaftliches Unterscheidungsmittel. In Bayern tragen bei Festen Jungen selbstverständlich Lederhosen wie ihre Väter und Mädchen Dirndl wie die Mütter - auch ohne das Label «Mini Me». Viele kleine Mädchen lieben es, die Stöckelschuhe oder Schminke ihrer Mama auszuprobieren. «Ein Kind braucht Zugehörigkeit», betont Therapeutin Haarmann. Wichtig sei allerdings, dass sich Kinder mit der Pubertät abgrenzen und herausfinden, inwiefern sie anders als ihre Eltern sind. «Respektlos» findet Haarmann es, wenn Mütter dann ihren Töchtern noch bei der Kleidung Vorschriften machen oder sie gar wie eine gleichaltrige Freundin im Styling nachahmen.

Mini Me Fashion Trend bei Pinterest

Online-Stylingberatung Zalon


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
William und Kate mit ihren Kindern George und Charlotte in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka Partnerlook für Fortgeschrittene Bei ihrem Besuch in Deutschland haben die britischen Royals ihre Garderobe fein aufeinander abgestimmt. Aber der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Immer stilvoll gekleidet ist die kleine Prinzessin Charlotte. Foto: Duchess Of Cambridge/Handout Von klein auf standesgemäß: Die Kleidung kleiner Prinzen Prinz George oder Prinzessin Charlotte sind noch klein, aber schon Mode-Ikonen. Fans der Royals interessiert oft brennend, was der Nachwuchs trägt. Oft ist die Kleidung bei Königs mit Traditionen verknüpft. In Prinz Oscars Taufkleid etwa steckten schon viele Babys.
Ein Erlebnis: Das Autokino in Köln-Porz. Foto: Henning Kaiser Abenteuer Autokino: Es fahren wieder mehr drauf ab Rätsel: Wo ist das? Man hat es schön gemütlich, ist aber nicht zu Hause. Man ist mit vielen zusammen, und doch zu zweit allein. Keiner quatscht dazwischen oder versperrt die Sicht. Will man die volle Spannung erleben, muss man vorher Fenster putzen.
«Hygge» kann alles Mögliche sein. Foto: Daniel Reinhardt Hype um «Hygge»: Was steckt hinter dem Wohlfühtrend? «Hygge» ist der Wohlfühltrend aus Skandinavien. Was hat es mit dem Lebensstil auf sich, den sich auf einmal alle abgucken wollen? Zusammensein und Kerzenschein, sagt ein Experte. Aber «Hygge» hat auch dunkle Seiten.