So wird die Männermode im Herbst

10.08.2020
Die Männermode geht in die Weite. Statt eng anliegender Anzüge trägt der Mann im Herbst und Winter unten schick - und oben lässig.
Lässige Kleidung statt Maßanzug: Im Herbst/Winter darf Mann mit Jeans und Chinos, hier von Alberto, ins Büro (Hose ca. 140 Euro). Foto: Alberto/dpa-tmn
Lässige Kleidung statt Maßanzug: Im Herbst/Winter darf Mann mit Jeans und Chinos, hier von Alberto, ins Büro (Hose ca. 140 Euro). Foto: Alberto/dpa-tmn

Köln/München (dpa/tmn) - Sneaker statt Anzugschuh, Revershemd statt Krawatte. Vor allem im Berufsalltag durchläuft die Männermode einen radikalen Wandel.

Für die Herbst/Winter-Saison 2020 sagen Experten der Mode eine Abkehr vom klassischen Anzug voraus. Im Büro empfiehlt sich für Männer ein entspannter Look.

«Das ist eine kontinuierliche Entwicklung, die enorm durch den Komfort im Homeoffice und die Digitalisierung geprägt wird», erläutert Carl Tillessen vom Deutschen Modeinstitut in Köln. «Der New-Economy-Look greift immer mehr um sich», so Tillessen weiter. Ein stilistisches Rollenvorbild sei zum Beispiel Mark Zuckerberg, CEO von Facebook, der stets ein lässiges T-Shirt trägt.

Den entspannten Stil bei den Herren bestätigt auch Patrick Pendiuk, Mode-Redakteur beim Männermagazin GQ: «Der Super-Slim-Anzug wird eigentlich komplett aus der Mode verdrängt.» Es geht sowohl beim Oberkörper als auch bei den Hosen um eine entspanntere Weite, erklärt der Modeexperte weiter.

Lässig - aber hochwertig

Die Zeiten, in denen man für Freizeit-Kleidung tendenziell weniger Geld ausgab, sind laut Tillessen aber vorbei. Denn Freizeitkleidung wird auch im Beruf getragen. «Gleichzeitig hat man das Bedürfnis, Status und Hierarchien zu signalisieren», meint der Modeexperte. Es gilt: lässige Kleidung statt Maßanzug. Die bestünde dann aber eben nicht aus waschbarer Baumwolle, sondern aus hochwertigem Wollstoff, der gereinigt und gebügelt werden muss.

Abseits der Arbeit wird im Herbst und Winter die Jacken-Saison eingeläutet. «So eine Jacke muss aber auch wasserdicht sein, eine Kapuze haben, die man vielleicht sogar abzippen kann, oder Reflektoren fürs Fahrradfahren mit sich bringen», findet Bernhard Roetzel. Laut dem Modejournalist und Blogger lassen sich praktische und sportliche Jacken gut mit einem Anzug kombinieren: «Tweed-Sakko, Cargo-Hose und anstelle eines traditionellen Mantels wählt man einen Parka.»

Das sieht auch Tillessen so. Neu sei in diesem Jahr, dass Männer auch Steppjacken und Puffer-Jackets über dem Anzug tragen könnten: «Die Jacke darf sogar kürzer sein als das Sakko.» Um sich gegen die Kälte zu schützen, seien Puffer-Jackets künftig sogar das Nonplusultra.

Mut zu Sportschuh und Farbe

Und die Schuhe? «Urban Outdoor, die Mischung aus Sneaker und Bergschuh, liegt im Trend», sagt Roetzel. Doch auch bei der Wahl des Schuhwerks gilt es auf feine Unterschiede zu achten. So werden laut Pendiuk dicke Plateau-Sohlen immer seltener. Sneakers könnten diesen Winter optisch zwar noch ein bisschen klobig sein, sie würden tendenziell aber eher «schlank und sportlich getragen», so Pendiuk.

Derweil sieht Roetzel bei der Farbwahl des Outfits die größte Modesünde, die es während der kalten Jahreszeit zu vermeiden gilt: «Schwarz und Grau ist für mich ein No-Go. Wer auf der Höhe der Zeit sein will, sollte die Sachen im Schrank lassen und lieber zu Orange, Rot und Erdtönen greifen.»

© dpa-infocom, dpa:200806-99-68021/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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