Schulterpolster und Neon: 80er Jahre auf der Modewoche

04.07.2019
«Wirf nichts weg, es kommt wieder» - das ist häufig zu hören, wenn es um Mode geht. Aber: Kopiert wird meist nicht. Designer nehmen zwar sichtbar Anleihen bei früheren Zeiten, kombinieren aber mit Neuem. Auch ein Promi hat sich als Designer versucht.
Michael Michalsky lässt sich von den 80er Jahren inspirieren. Foto: Monika Skolimowska
Michael Michalsky lässt sich von den 80er Jahren inspirieren. Foto: Monika Skolimowska

Berlin (dpa) - Schulterpolster, Bundfalten, Puffärmel und Bonbonfarben: Einflüsse der 80er Jahre sind bei der Berliner Modewoche nicht zu übersehen.

Am deutlichsten zitierte der Designer Michael Michalsky das Jahrzehnt. Ins Auge fielen breitschultrige Blazer, zweireihige Sakkos und Radlerhosen unter langen durchsichtigen Röcken.

Die österreichische Modeschöpferin Marina Hoermanseder schickte ihre Gäste am Donnerstag ebenfalls auf Zeitreise: Auf dem Laufsteg zeigte sie Puffärmel, Ballonröcke und Accessoires in Schleifen-Form - das alles in Bonbonfarben, Neontönen und mit viel Glitzer.

Weite, lange Röcke, karierte Blazer, Giraffenmuster und Pastelltöne hatte am Mittwoch das süddeutsche Label Riani auf den Laufsteg gebracht. Ins Publikum mischten sich unter anderem die Schauspielerinnen Anne Heche und Natalia Wörner.

Ein internationaler Star erwartete das Publikum bei der Show von Hugo, der jüngeren Marke des baden-württembergischen Unternehmens Hugo Boss: Sänger Liam Payne von One Direction stand auf der Bühne und sang drei Lieder - da flossen bei einigen Fans sogar Tränen. Models gab es dafür nicht, die von Payne (25) mitgestaltete Kollektion wurde digital in einem kleinen Film gezeigt.

Er sei ein Kind der 80er, sagte Designer Michalsky (52) der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies auf Musikstile des Jahrzehnts, auf Punk, New Wave, Pop und Rave. «Aus diesen 80er Jahren kann man unglaublich viel Kreativität schöpfen. Für die meisten Leute ist das etwas komplett Neues, weil sie es nicht erlebt haben.»

Unter dem Motto «Brothers and Sisters» rief Michalsky mit seiner Schau zu mehr Zusammenarbeit statt Gegeneinander auf, auch politisch. Er kritisierte etwa die «America-first»-Politik von US-Präsident Donald Trump. Dessen Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, saß in der ersten Reihe. Der Diplomat nahm die Kritik regungslos hin.

Auf dem Laufsteg bekam er neben Overalls mit Schulterklappen und Leggins auch eine indische Reithose (Jodhpur) zu sehen - nach Jogginghose und Turnschuhen ein weiterer Sportartikel, der zur Alltagskleidung werden könnte, wie Michalsky meint. «In Reiterhose zur Party - ich kann mir das schon vorstellen.»

Präsentiert werden in Berlin die Trends für Frühjahr und Sommer 2020. Internet und soziale Medien hätten die Mode kurzlebiger gemacht, meint Michalsky. Früher habe es einen oder zwei Trends gegeben, die eine Zeit lang angehalten hätten. «Heute gibt es parallel ein paar hundert Trends, und viele von denen verglühen relativ schnell.»

Für Hoermanseder, die in ihrer Show neben Hoodies und Radlerhosen auch extravagante Kleider und hautenge Tops zeigte, ist es immer wieder eine Gratwanderung, wie sie der dpa sagte. «Es gibt all die tollen Show-Looks, und dann aber muss die ganz normale Kundin bei mir etwas finden, das zwar auch diesen Glamour hat, aber trotzdem will sie etwas für sich finden, was nicht so elaboriert ist.»

Berlin Fashion Week


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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