«Schuhe sind meine Goldmedaillen»: Stuart Weitzman wird 80

23.07.2021
Schon der Vater von Stuart Weitzman besaß eine Schuh-Fabrik. Der Sohn wurde zum Schuh-Designer. Jetzt wird Weitzman 80 Jahre alt, hat sein Unternehmen verkauft - aber weiter unendlich viele Ideen.
Stuart Weitzman präsentiert eine von ihm entworfene Kreation. Foto: Federico Gambarini/dpa
Stuart Weitzman präsentiert eine von ihm entworfene Kreation. Foto: Federico Gambarini/dpa

New York (dpa) - Popdiva Beyoncé hat «schon tausend Meilen in seinen wunderschönen Schuhen getanzt», First Lady Jill Biden forderte mit dem Wort «Vote» auf seinen Stiefeln zum Wählen auf - und auch Stars wie Herzogin Meghan oder Tennis-Profi Serena Williams tragen Schuhe von Stuart Weitzman.

Der US-Designer, der am Donnerstag (29. Juli) 80 Jahre alt wird, hat sich in seiner jahrzehntelangen Karriere zum Lieblings-Fuß-Dekorateur vieler Stars gemeistert.

Wie der Vater, so der Sohn

Schuhe seien bei weitem keine «albernen Accessoires», sagte Weitzman einmal bei einer Ehrung in der New Yorker Historical Society. «Es gibt Schuhe, die vor einer Frau den Raum betreten und ihn erst nach ihr wieder verlassen - so einen großen Eindruck können sie erzeugen.» Für ihn seien Schuhe seine «Goldmedaillen».

Die Leidenschaft scheint angeboren: Schon Weitzmans Vater besaß eine Schuhfabrik im US-Bundesstaat Massachusetts, seine beiden Söhne übernahmen das Unternehmen. Stuart Weitzman studierte allerdings erst noch Wirtschaft und überlegte, an die Wall Street zu gehen - doch schon währenddessen zeichnete er immer wieder Schuh-Entwürfe. «Ich habe dann zu meinem Bruder gesagt, dass ich es gerne mal für ein Jahr als Designer ausprobieren würde. Vielleicht würde ich es ja mögen.»

Sein erstes Paar High Heels nannte Weitzman «Eve». «Ich habe mir immer sehr viel Mühe mit den Namen meiner Schuhe gegeben, denn - ich will nicht sagen, sie sind wie meine Kinder, aber doch: Die Schuhe sind wie meine Kinder.» Die Probezeit führte zu einer jahrzehntelangen Karriere, in der Weitzman schließlich Chef-Designer und Geschäftsführer der dann auch nach ihm benannten Firma wurde.

Träume und Ideen - erfüllen und kreieren

Die Kombination aus Wirtschafts-Wissen und Design-Talent führte zum Erfolg: Weitzman entschied sich wegen der deutlich geringeren Nachfrage gegen Männer-Schuhe, und kaufte seine Fabriken, um so günstiger zu produzieren und Trends schneller umsetzen zu können. Seine High Heels stattete er mit Polstern aus, um sie bequemer zu machen.

Außerdem setzte Weitzman auf raffinierte Marketing-Tricks. So ließ er beispielsweise 2002 die Schauspielerin Laura Harring mit sogenannten «Millionen-Dollar-Schuhen» über den roten Teppich der Oscar-Verleihung laufen - und plötzlich sprachen alle nur noch von den diamantenbesetzten Schuhen. Spätestens seitdem spielen die Modelle von Weitzman in derselben Liga wie die von Star-Designern wie Manolo Blahnik, Christian Louboutin und Sergio Rossi - sind aber meist deutlich günstiger.

Mit dem so verdienten Geld erfüllte sich Weitzman die verrücktesten Träume der Sammelleidenschaft seiner Kindheit. «Ich habe damals begonnen, Alben mit allem, was ich finden konnte, zu füllen. Ich hatte ein Album für weltberühmte internationale Marken und ganz oben auf der Seite war ein großer leerer Platz für die British Guiana», sagte der Designer einmal der «New York Times» - kurz nachdem er eben jene Briefmarke für den Rekordpreis von 9,5 Millionen Dollar ersteigert hatte. «Sie hat mich in meine Kindheit zurückversetzt.»

Raritäten und Sammlungen für den guten Zweck

Vor kurzem versteigerte Weitzman die «British Guiana» und andere seltene Briefmarken und Münzen wieder. «Ich hatte mein Leben lang den Traum, die größten Raritäten in den beiden großen Sammlerwelten der Briefmarken und Münzen zu sammeln und diese über Jahrzehnte versteckten außergewöhnlichen Schätze dann der Öffentlichkeit zur Betrachtung zur Verfügung zu stellen. Das wollte ich machen und das habe ich gemacht. Das war mein Traum. Heute ist es mein Traum, etwas für den guten Zweck zu hinterlassen, und dafür werde ich die Einnahmen aus diesen Verkäufen verwenden.»

Seine Sammlung historischer Schuhe, die mit einem Geburtstagsgeschenk seiner Frau begann und auch schon einmal in einer Ausstellung in der New Yorker Historical Society zu sehen war, hat der Designer behalten. «Schuhe machen soviel mehr, als Füße zu bedecken», sagte Weitzman bei der Ausstellungseröffnung. «Schuhe erzählen Geschichten.»

Sein Unternehmen hat Weitzman, der mit Ehefrau Jane zwei Töchter hat, inzwischen verkauft und zieht sich ganz langsam aus der alltäglichen Design-Arbeit zurück. «Ich habe in den vergangenen 40 Jahren 350 Tage im Jahr 16 Stunden am Tag gearbeitet. Als ich angefangen habe über den Ruhestand nachzudenken, habe ich mich gefragt, wie ich den Tag füllen könnte. Dann habe ich angefangen, eine Liste mit Sachen zu erstellen, die ich gerne machen würde.» Darauf stehen unter anderem Tischtennis-Turniere, Museen gründen und Musicals produzieren.

Aber auch vom Design wird Weitzman wohl nie loskommen. «Ein Produkt zu entwerfen und dann zu sehen, wie Frauen es lieben - das hat mich ins Spiel gebracht. Schon von Beginn an fand ich es unglaublich, dass ich etwas machen konnte, was sie wollte. Und das hat sich seitdem nie verändert.»

© dpa-infocom, dpa:210723-99-490774/3

Interview von Yale Insights

Interview von Business of Fashion

Bericht von Footwear News

Bericht der NYT


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Reproduktionen der von Schuh-Designer Stuart Weitzman entworfenen «Million Dollar Sandals», die Schauspielerin Laura Harring 2002 zur Oscar-Verleihung trug, gehören zu den Exponaten in Weitzmans Ausstellung historischer Schuhe. Foto: Christina Horsten Schuh-Designer Weitzman zeigt seine Sammlung in New York Die «Millionen-Dollar-Sandalen», die Schauspielerin Laura Harring 2002 zur Oscar-Verleihung trug, dürften ein Highlight für jeden Modefan sein. Eine Reproduktion der von Stuart Weitzman entworfenen Schuhe ist derzeit in New York zu sehen.
Iris Apfel wird 100. Foto: Toni Albir/EFE/dpa/Archivbild Stil-Ikone Iris Apfel wird 100 Iris Apfel war jahrzehntelang erfolgreiche Innenarchitektin, unter anderem für gleich neun Präsidenten im Weißen Haus. Im hohen Alter avancierte sie zur weltweit berühmten Stil-Ikone. Jetzt wird Apfel schon 100 Jahre alt - und arbeitet einfach weiter.
Futuristisches Setting: Chanel in der Hamburger Elbphilharmonie. Foto: Christian Charisius Lagerfelds große Chanel-Schau in der Elbphilharmonie Hamburg im «Karl-Fieber». Karl Lagerfeld, der Chefdesigner von Chanel, machte die Elbphilharmonie zum Laufsteg. Mit einer Schau, die seiner Geburtsstadt und dem Hafen huldigte. Und er selbst gab hanseatisch zu, dass er ein sogenannter Pfeffersack sei
Netzsöckchen - hier in Kombination zu einem sommerlichen Sneaker mit floralem Design und Satin-Schnürsenkeln von Deichmann - sind der neue Trend (Schuh ca. 23 Euro, Clutch ca. 10 Euro). Foto: Deichmann Turnschuhe und Pantoletten sind Schuhtrends für Frauen Während die Schuhe an den Füßen der Männer nun mutiger werden, feiern die Damen ein Wiedersehen mit so manchem Modell der 80er und 90er. Etwa der Pantolette. Aber nichts geht derzeit ohne den Sneaker: Der Turnschuh bleibt ein Dauerbrenner.