Die britische Country-Mode ist angesagt

05.04.2021
So mancher Trend überrascht - dazu gehört der britische Countrylook in der Mode. Dass dieser Stil derzeit so beliebt ist, hat auch etwas mit Corona zu tun. Schließlich spazieren und wandern wir mehr.
Britischer geht es nicht: Aber der Trenchcoat hat die Welt erobert. Inzwischen gibt es in vielen Varianten - hier als Twillmantel im Trenchcoat-Style von s.Oliver (ca. 160 Euro). Foto: S.Oliver/dpa-tmn
Britischer geht es nicht: Aber der Trenchcoat hat die Welt erobert. Inzwischen gibt es in vielen Varianten - hier als Twillmantel im Trenchcoat-Style von s.Oliver (ca. 160 Euro). Foto: S.Oliver/dpa-tmn

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Was machen Sie so an tristen Lockdown-Samstagen? Sie gehen doch spazieren? Vielleicht sogar wandern, und das selbst bei Regen. Die Corona-Pandemie hat so gesehen auch weniger schlimme Folgen: Weil wir derzeit bei Wind und Wetter ins Freie wollen, decken wir uns gerne mit wetterfesten und ländlich wirkenden Kleidungsstücken ein.

Genauer gesagt: Unter Modefans ist der englische, konservative Country-Look angesagt - und das auch in der Stadt. Dabei ist das Aufleben des gesamten sogenannten Brit Chic zwar nicht brandneu, hat aber in den vergangenen Monaten doch eine Beschleunigung erlebt.

Vor allem verbindet man mit dem ländlichen Brit Chic die Wachsjacke und besonders Tweed. «Er steht stellvertretend für hohe, robuste Qualität und zeitlose Eleganz, was beides sehr typisch ist für Mode von der Insel», erklärt Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. Auch Leinen, hochwertige Baumwolle oder Leder sind typische Stoffe der englischen Landhausmode.

Seidenbluse zum Tweed-Blazer

Da dieser Stil von seinen Kontrasten lebt, gehören zu ihm auch Seide und andere fließende Materialien - etwa als Blusen, Hals- und Kopftücher und Röcke. Sie geben dem kernigen Outdoorlook fürs Gelände einen femininen und zugleich edlen Anstrich.

Das ist auch der Tipp Nummer 1 der Typberaterin Valeriya Licht aus Berlin für das Tragen des britischen Landhaus-Chic: Die Kombination von derben und feminin wirkenden Stoffen. «Man kann beispielsweise eine Seidenbluse schön mit einem Tweed-Blazer und einer lässigen Jeans kombinieren», sagt die Modeexpertin. «Oder einen Lederblazer zur Hose aus Tweed.»

Neu am aktuellen Country-Look ist nicht nur das Einbinden von sonst stilfernen Elementen wie der Jeans, sondern auch anderer Farben als üblich. Grundpalette des britischen Looks sind Naturtöne wie Grün in vielen Varianten, Beige und Braun. Dazu komme nun das strahlende Azurblau als Kontrastfarbe, sagt Inka Müller-Winkelmann, Einkaufsberaterin aus Schildow (Brandenburg).

Insgesamt werden die blassen Naturtöne gerne mit solchen Akzentfarben aufgelockert, auch innerhalb eines Musters, so Müller-Winkelmann. Zum Beispiel bei dem in Großbritannien so beliebten Karomuster namens Hahnentritt können sich Koralle oder Orange auf beigefarbenem Untergrund tummeln. «Country wird mutiger», fasst die Shopping-Beraterin die aktuelle Entwicklung des Modestils zusammen.

Gummistiefel zum feinen Tellerrock

Auch Andreas Rose sieht das so - und noch mehr. Der Modeberater hat Einflüsse aus anderen Modestilen ausgemacht. «So werden jetzt Gummistiefel zu femininen Kleidern getragen - auch in der Stadt.» Bisweilen sind die stylishen Gummistiefel - gern übrigens von einem Luxuslabel - auch das einzige Country-Element in einem Look, wenn sie beispielsweise zu einem Tellerrock und einem Shirt kombiniert werden.

Neben den Edel-Gummistiefeln zählen bei den Schuhen die Chelsea-Boots zum Look. Lange Zeit war die knöchelhohe Stiefelette ein reiner Männerschuh, heute jedoch werden Chelsea-Boots auch von Frauen getragen, gern mit kontrastfarbigen Elementen wie dem typischen Elastikeinsatz in bunt oder farbigen Sohlen.

Zur Countrymode gehört übrigens auch ein Kleidungsstück, das bei uns längst nicht mehr als solches gesehen wird, sondern als eines der Standard-Elemente der städtischen Büroarbeiter: Der Trenchcoat. Der Schneider Thomas Burberry entwickelte den Mantel einst für britische Soldaten im Ersten Weltkrieg, er ist besonders bei Regen robust. Das und seine Alltagstauglichkeit in so vielen Situationen hat ihn zu einem weltweit beliebten Kleidungsstück gemacht.

Bauchfrei im Cardigan

Nun gehört zur britischen Countrymode mehr als nur der Outdoor-Look für regnerische, windige Tage, mit denen wir sie in der aktuellen Situation besonders verbinden. Ein wichtiges Element des Stils für drunter und drinnen ist der Cardigan.

Auch er trägt das Label «very british», und erhält aktuell ein Make-over. Wie auch viele Tops und Pullover wird er gerade gerne in einer Kurzvariante getragen, «die oberhalb des Bauchnabels endet und die ohne Shirt oder Bluse darunter getragen wird», berichtet Modeberater Rose.

© dpa-infocom, dpa:210401-99-56364/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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