Der Sneaker-Boom hält an

02.03.2020
Die bequemen Sportschuhe sind mittlerweile auch in der Geschäftswelt zu Hause. Sie stehen für Jugend und Dynamik. Wie lange hält der Hype?
Sneaker sind beliebt und ein absoluter Dauerbrenner. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Sneaker sind beliebt und ein absoluter Dauerbrenner. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Berlin (dpa) - Das Bild vom Sneaker als schmuddeligen Treter ist längst überholt. Stattdessen sieht man die legeren Sportschuhe heute selbst in den Chefetagen großer Unternehmen.

Auch in Kombination mit klassischen Business-Kostümen sind die sportlichen Schuhe nichts Außergewöhnliches mehr. Was früher als fehlende Etikette ausgelegt wurde, gilt heute als modern. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass der Sportschuh-Hype etwas abebbt.

Sneaker sind modischer Dauerbrenner

«Sneaker sind eine never-ending story. Wie Jeans. Das heißt, Sneaker werden niemals vom Markt verschwinden, aber es gibt wieder eine leichte Tendenz zu den Brown-Shoes»», sagt Claudia Schulz, Sprecherin beim Deutschen Schuhinstitut in Offenbach: «Sneaker sind mittlerweile ein echtes Massenphänomen. Daher gibt es jetzt insbesondere bei den Jüngeren häufiger den Wunsch, sich abzusetzen und neben Sneakern hin und wieder auf klassische Lederschuhe zurückzugreifen.»

Der Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Schuheinzelhandels, Siegfried Jacob, glaubt auch nicht an ein jähes Ende des Sneaker-Booms. «Sie werden nicht mehr verschwinden, aber der Hype könnte seine Dynamik verlieren.» Andere Schuhtypen könnten wieder dazu gewinnen.

Hype nimmt ab

Der Marktanteil von Sportschuhen aus Textilien ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. 2007 entfielen auf Textil-Sneaker am deutschen Schuhmarkt etwa vier Prozent. In den darauffolgenden Jahren stieg der Anteil auf mittlerweile gut zehn Prozent, wie aus Zahlen des Deutschen Schuhinstituts hervor geht.

Doch während die hierzulande angebotene Menge neuer Sneakers in den vergangenen Jahren mitunter um 50 Prozent zulegte, vermelden die Händler mittlerweile nur noch weitestgehend konstante Zuwachsraten. Im Jahr 2018 stieg die sogenannte Inlandsverfügungsmenge - also die angebotene Stückzahl - für Textil-Sportschuhe zwar auf 47,6 Millionen Paar. Doch die Wachstumsrate gegenüber 2017 fiel mit 9,9 Prozent deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Insgesamt habe die Inlandsverfügungsmenge 2018 bei rund 447,7 Millionen Paar Schuhe gelegen.

Hybridschuhe werden beliebter

Stattdessen entwickelt sich nun der Absatz mit Lederschuhen wieder stärker. Die verfügbare Menge von Ledersandalen im deutschen Einzelhandel stieg 2018 beispielsweise um etwa 15 Prozent. «Einige Kunden wünschen sich wieder eine bessere Reparaturfähigkeit und greifen deshalb zum Lederschuh», sagt Schulz.

Neu seien sogenannte Hybride - also ein Mix aus klassischem Lederschuh und Sneaker. «Beispielsweise sieht dann der obere Teil wie ein Budapester aus, aber die Sohle entspricht eher einem Sneaker. Klassische Uppers werden mit einer Gummisohle - also eher sportlich - verbunden», erklärt die Sprecherin. Hier stieg 2017 die Inlandsverfügungsmenge um etwa 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Vegane Schuhe führen Nischendasein

Trotzdem wollen einige Kunden von Lederschuhen nichts wissen - auch aus ökologischen Gründen. «Bei einigen Konsumenten herrscht die irrige Ansicht, dass für Lederschuhe extra eine Kuh geschlachtet wird. Dabei ist Leder nachhaltig. Das für die Schuhproduktion verwendete Leder ist ein Koppelprodukt, fällt also bei der Fleischproduktion ohnehin an», sagt Schulz.

Auf der anderen Seite sind vegane Schuhe als mögliches Alternativprodukt immer noch ein absolutes Nischenphänomen, betont Schulz. «Der Trend zum veganen Schuh hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Viele Schuhe aus Kunststoffoberteilen werden als vegan bezeichnet. Was streng genommen nicht richtig ist, denn in vielen Fällen besteht der Kleber aus tierischen Bestandteilen.»

Daten zur Inlandsverfügungsmenge


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Briefmarken sammeln war gestern, heute sind Sneaker das Objekt der Begierde. Foto: Swen Pförtner/dpa Von Turn- zum Trendschuh: Das Geschäft mit dem Sneaker-Kult Hunderte Euro für einen Sportschuh, lange Warteschlangen vor Geschäften: Der Kult um Sneakers treibt merkwürdige Blüten. Die modischen Schuhe sind ein Stück Zeitgeist - und ein Milliardengeschäft.
Die trendige Alternative zur üblichen Sandale sind Sabots. Hier ein Beispiel von Wenz in Naturtönen (ca. 100 Euro). Foto: Wenz/dpa-tmn Der Schuhtrend für Frauen: Mit Stiefeln durch den Sommer Modetrends kommen, gehen und kehren zurück. Aber ein neuer Schuhtrend war so in den vergangenen Jahren noch nicht da: Stiefel im Sommer. Dabei liegt die Idee geradezu nahe.
Ein Turnschuh wird in der Manufaktur «Sneaker Surgery» mit einem Bild des neuseeländischen Vogels Hihi (Gelbbandhonigfresser) bemalt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Sneakers zum Hingucken liegen im Trend Eine rote Rose, ein Camouflage-Design oder ein Lieblingstier: Ein Hamburger Custom-Produzent hat schon manchen Sneaker aufgehübscht. Und liegt damit offensichtlich im Trend.
Auch Overknee-Stiefel bleiben weiter angesagt, hier ein Beispiel von Mascaró (ca. 309 Euro). Foto: Mascaró/dpa-tmn Welche Stiefel im Winter im Trend sind Wer modisch etwas auf sich hält, trägt im Herbst und Winter nicht irgendeinen Stiefel. Im Trend sind lange Modelle, die aber nicht zu lang sein sollten. Und ein wenig Cowboy-Feeling ist auch erwünscht.